Mi., 27. Juli 2022Lesezeit 10 minFather Hans Buob

18. Sonntag

Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien im Lesejahr C

The Parable of the Rich Fool by Rembrandt, 1627.

Bibelstellen


Lukas 12,13-21

Einer aus der Volksmenge bat Jesus: Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen! Er erwiderte ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbteiler bei euch eingesetzt? Dann sagte er zu den Leuten: Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier! Denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin, dass einer im Überfluss seines Besitzes lebt. Und er erzählte ihnen folgendes Gleichnis: Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte. Da überlegte er bei sich selbst: Was soll ich tun? Ich habe keinen Platz, wo ich meine Ernte unterbringen könnte. Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen. Dann werde ich zu meiner Seele sagen: Seele, nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freue dich! Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann das gehören, was du angehäuft hast? So geht es einem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber bei Gott nicht reich ist.

Biblische Predigten


„Einer aus der Volksmenge bat Jesus: Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen! Er erwiderte ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbteiler bei euch eingesetzt?“ (vgl. Vers 13-14)

Ein Mann kommt zu Jesus und verlangt von ihm, er soll zwischen ihm und seinem Bruder die Rolle des Erbschlichters übernehmen. Es war damals hier und da tatsächlich Brauch, bei Rechtsstreitigkeiten zwischen zwei Parteien einen angesehenen Schriftgelehrten um Schlichtung zu bitten. Im vorliegenden Fall wurde dem Mann wohl sein Erbteil von seinem Bruder vorenthalten.

Jesus aber weigert sich, sich in Angelegenheiten einzumischen, für die es eine Gerichtsobrigkeit gibt. Die Anrede, die Jesus gebraucht, „Mensch“, und dann die Frage: „Wer hat mich zum Richter oder Schlichter bei euch gemacht?“ sollen daher den Fremden zur Besinnung bringen. Jesus weist ab, was ihm nicht zusteht. Das ist nicht seine Sache. Damit anerkennt er die Gerichtsbarkeit derer, die in Israel dafür zuständig sind.

Das Wort und Vorbild Jesu gilt für alle Zeiten. Mit dem geistlichen Amt soll nichts Fremdartiges vermischt werden. Das sagt Jesus hier ganz deutlich. Jesus ist nicht in die Welt gekommen, um diesem Mann zu seinem Erbteil zu verhelfen, sondern er ist gekommen, um ihn von seinem Hauptübel zu heilen.

„Dann sagte er zu den Leuten: Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier! Denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin, dass einer im Überfluss seines Besitzes lebt.“ (vgl. Vers 15)

Was in den Augen Jesu das Hauptübel des Mannes ist, kommt dann sehr schnell zur Sprache, wenn Jesus sagt: „Gebt acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier.“ Doch eigentlich sagt Jesus das zu allen Menschen, weil eben fast alle Menschen an diesem Grundübel, an der Habsucht und Habgier leiden. In 1 Tim 6,10 schreibt Paulus: „Die Habsucht hat schon viele ums Leben gebracht.“ „Denn die Wurzel aller Übel ist die Habsucht. Nicht wenige, die ihr verfielen, sind vom Glauben abgeirrt und haben sich viele Qualen bereitet.“ Es geht hier auch um das geistliche Leben, um das ewige Leben. Gerade mit dem Imperativ, den Jesus hier verwendet – „Gebt acht, hütet euch“ – fordert Jesus auch uns auf, wachsam zu sein gegenüber diesem Grundübel, das in irgendeiner Form in uns allen steckt. Leben und Glück, sagt Jesus, kommen nicht aus dem Besitz, sondern von dem Gott, den Jesus verkündet. Und ihn zu verkündigen, dazu ist er gekommen.

„Und er erzählte ihnen folgendes Gleichnis: Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte. Da überlegte er bei sich selbst: Was soll ich tun? Ich habe keinen Platz, wo ich meine Ernte unterbringen könnte. Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen. Dann werde ich zu meiner Seele sagen: Seele, nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freue dich!“ (vgl. Vers 16-19)

Dieses Gleichnis, das Jesus hier erzählt, ist sehr deutlich und eigentlich in sich verständlich. Es ist einfach die Schilderung der Torheit des Reichen, der sich aus seinem Reichtum ein sorgenloses Leben für viele Jahre erhofft. Dazu aber sagt Jesus ganz deutlich: Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt. Und deshalb ist es eine Torheit, was dieser Reiche da macht oder denkt. Er tut eigentlich ja nichts Böses und dennoch ist er vor Gott ein Narr. Er spricht nur noch zu sich und von sich selber, dauern „ich“ und „mein“: Allein sechsmal „ich will“ und „ich werde“; dann „meine Ernte“, „meine Scheunen“, „mein Getreide“, „meine Vorräte“... Dieser Reiche tut so, als ob all das ihm ganz allein gehöre und er über alles frei verfügen könne, selbst über seine Seele! Aber er wird erfahren, dass dies eben nicht so ist!

Wie aber sieht es bei uns selber aus? Wie oft gebrauchen auch wir dieses „ich“? Wie oft schauen auch wir nur auf uns selbst? Doch der Sinn des Lebens, sagt Jesus, besteht eben nicht im großen Vermögen und im Überfluss.

„Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann das gehören, was du angehäuft hast? So geht es einem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber bei Gott nicht reich ist.“ (vgl. Vers 20-21)

Es besteht ein erschütternder Gegensatz zwischen dem Selbstgespräch des törichten Reichen und dem Urteil Gottes. Die Worte Gottes zeigen in aller Schärfe die Verblendung in der Gesinnung dieses Reichen: „Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern“ und du hast noch nicht einmal deine Ernte eingebracht! Wofür hast du dann gelebt? Was ist der Sinn deines Lebens gewesen? Wem wird dann alles gehören, was du angehäuft hast?

Da dürfte auch uns so manches aufgehen. Spüren nicht auch wir oft, wie wir an manchem hängen und nicht loslassen können? Manche Menschen können bis ins hohe Alter hinein bestimmte Dinge, Besitztümer oder Menschen nicht loslassen. Daher können sie auch fast nicht sterben. Deswegen haben sie irgendwie fast nicht gelebt. Denn das ist kein Leben, sondern nur Angst, zu verlieren. Leben aber ist nicht Angst, zu verlieren, sondern die Freude, zu gewinnen. Wir gewinnen das ewige Leben. Wir gehen auf ein Ziel zu. Das ist der Sinn des Lebens!

Während der Reiche noch in der Wahnvorstellung künftiger Genüsse lebt, ist das Urteil Gottes bereits über ihn gesprochen. Er hat nicht einmal mehr so viel Stunden vor sich als er sich Jahre erträumt hat. Und wie ist es bei uns? Überlegen wir einmal, welche Sorgen wir uns auf Jahre hinaus machen. Dabei wissen wir nicht einmal, was uns in diesem Leben überhaupt gehört. Warum leben wir nicht den Augenblick, in dem Gott uns doch alles gibt, was wir in diesem Moment vielleicht brauchen?

Gott sagt zu dem reichen Mann: „Deine Seele werden sie von dir fordern.“ – das ist ein Ausdruck für das widerwillige Erleiden des Todes, denn der Reiche will ja nicht sterben, sondern genießen. Dieses widerwillige Erleiden des Todes aber ist die Folge der Habsucht. Man kann nicht loslassen. Das Sterben wird so nicht Übergang zu neuem Leben, sondern ist widerwilliges Erleiden des Todes. Der Reiche muss seine Seele, die er als die Seinige festhalten möchte, wie er es ja immer wieder ausdrückt, herausgeben, ob er will oder nicht. Mit dem Ausruf „Du Narr“ deckt Gott den Wahn dieses Mannes auf, der glaubt, mit seinem Vermögen sein Leben sichern zu können.

Jesus stellt dann die alles entscheidende Frage: „Wem wird dann all das gehören…?“, die alles auf: Was hat dieser Mann erwartet und wovon? Gott spielte jedenfalls keine Rolle. Jesus warnt vor der Torheit, die meint, das Leben sei abhängig von der Menge der angesammelten Güter. Das wird manchem von uns zu schaffen machen, vielleicht jedem. Wer von uns hängt nicht irgendwo an irgendetwas, das ihm letztlich das Sterben schwer macht und Grund seiner Angst ist. Das, was wir festhalten, was wir nicht hergeben wollen, ganz gleich, ob Dinge oder Menschen oder der gute Ruf oder was auch immer – diese Habsucht ist die Quelle unserer Sorgen, Ängste und Nöte. Wenn wir uns dahingehend prüfen, wird uns klar, was der hl. Paulus meint, wenn er sagt: „Die Habsucht hat schon viele ums Leben gebracht.“ Dann wissen wir, was Jesus uns sagen will: Macht euch doch kein schweres Leben, indem ihr an den Dingen hängt. Sie sind euch doch nur gegeben zum Dienst, damit ihr dieses Leben leben könnt, aber sie sind nicht die Quelle eures Glücks und eurer Freude. Die eigentliche Quelle der Freude ist Gott selbst, das Ziel, auf das wir zugehen, das ewige Leben.

Während also der erste Teil des Gleichnisses die Art und Weise schildert, wie sich die Habgier die Zukunft vorstellt und verstellt, deckt der zweite Teil die verhängnisvolle Torheit dieser Habsucht auf. Und das ist es in Wirklichkeit – Torheit! Prüfen wir uns dahingehend und schauen wir zugleich auf unser Leben, auf unsere Empfindungen. Lassen wir uns von Jesus aufdecken und in die Freiheit und wahre Freude führen.