Mi., 9. März 2022Lesezeit 10 minFather Hans Buob

Zweiter Fastensonntag

Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien im Lesejahr C

Ⓒ JESUS MAFA. Transfiguration, from Art in the Christian Tradition, a project of the Vanderbilt Divinity Library, Nashville, TN.

Bibelstellen


Lukas 9,28b-36

Etwa acht Tage nach diesen Worten nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus mit sich und stieg auf einen Berg, um zu beten. Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß. Und siehe, es redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija; sie erschienen in Herrlichkeit und sprachen von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte. Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen. Und es geschah, als diese sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte. Während er noch redete, kam eine Wolke und überschattete sie. Sie aber fürchteten sich, als sie in die Wolke hineingerieten. Da erscholl eine Stimme aus der Wolke: Dieser ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören. Während die Stimme erscholl, fanden sie Jesus allein. Und sie schwiegen und erzählten in jenen Tagen niemandem von dem, was sie gesehen hatten.

Biblische Predigten


Etwa acht Tage nach diesen Worten nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus mit sich und stieg auf einen Berg, um zu beten. Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß. (vgl. Vers 28b-29)

Das heutige Evangelium schildert die Verklärung Jesu, bei der seine Herrlichkeit sichtbar wird. Es heißt eigentlich wörtlich:

„Nach acht Tagen nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus mit sich.“ Was aber war vor acht Tagen geschehen? Damals fand die große Leidensvorhersage Jesu statt, in der er seine Jünger einführte in das, was mit dem Menschensohn in Jerusalem geschehen wird, dass er nämlich leiden muss und umgebracht wird. Er hat sie eingeladen, ihm auf Grund dieser Leidensvorhersage nach Jerusalem nachzufolgen. Nun hatten sie also acht Tage Zeit zur Betrachtung und konnten so den Ernst seiner Worte überdenken. Aber wahrscheinlich wollten sie das alles eigentlich nicht wahrhaben. Die Verklärung auf dem Berg zeigt nun, dass Jesus trotz des Leidens, von dem er ja acht Tage vorher gesprochen hat, der Herr der Herrlichkeit ist. Daher ist diese Verklärung auf dem Berg für die drei Apostel eine Stärkung in der gegenwärtigen Anfechtung, die sich darin zeigt, dass sie mit diesem Leiden, von dem Jesus gesprochen hatte, nichts anfangen können und es eigentlich auch gar nicht wollen.

Jesus nimmt von den Zwölfen nur diese drei Vertrauten mit. Sie waren auch Zeugen bei der Auferweckung der Tochter des Jaïrus und sie werden auch Zeugen seines Todesleidens sein. Sie werden mit ihm am Ölberg sein. Darum will er sie stärken. Die Verklärung deutet an, dass der Weg durch das Leiden in seine Herrlichkeit geht – der Weg Jesu und der Weg dessen, der ihm folgt, denn er hat ja eingeladen, ihm dahin zu folgen.

Wenn Jesus zum Beten auf einen Berg geht, ist er Gott nahe. Diese Bergbesteigung deutet zugleich an, dass das, was jetzt geschehen soll, der natürlichen Sphäre enthoben ist. Auf dem Berg ereignet sich etwas, das nicht mehr nur natürlich ist, sondern von Gott herkommt, wie auf dem Berg Sinai, wo Gott dem Mose begegnet. Der Berg ist in der Hl. Schrift immer die Stätte der Offenbarung Gottes an den Menschen. Jesus blickt gewissermaßen vom Berg Tabor schon hinüber zum Ölberg, wo dann wieder diese drei Apostel bei ihm sein werden. Der Ölberg ist der Berg der Vollendung. Und hier wie dort, auf dem Tabor wie auf dem Ölberg, betet Jesus.

Und siehe, es redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija; sie erschienen in Herrlichkeit und sprachen von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte. Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen. (vgl. Vers 30-32)

Dann heißt es – wieder dieses Bibelwort „idou“ (ιδου), dieses Erschreckende, man könnte es fast übersetzen mit: „Da schau mal, etwas Außergewöhnliches!“ – „zwei Männer redeten mit ihm“. Moses und Elija, die mit ihm über sein Ende in Jerusalem reden, deuten die innere Verbindung des Alten Testamentes mit dem Kommen Jesu an und stehen hier für das Gesetz und die Propheten. Das, was Mose und die Propheten über Jesus gesagt haben – auch, dass er leiden werde – wird jetzt hier auf dem Berg der Verklärung gewissermaßen noch einmal abgerollt. Und nach seiner Auferstehung erklärt auch Jesus den Emmaus-Jüngern, was Mose und die Propheten über ihn geschrieben haben, nämlich: Er wird leiden und eingehen in seine Herrlichkeit.

Es wird geschildert, wie sich das Aussehen des Gesichtes Jesu verändert und er in strahlendem Licht dasteht, wie seinerzeit Mose auf dem Berg Sinai. Darum wird Jesus auch der zweite Mose genannt, und Mose sagt über ihn: „Einen Propheten wie mich wird der Herr euch aus euren Brüdern erwählen.“ Aber bei Jesus kommt das Leuchten auf seinem Antlitz von seiner inneren Herrlichkeit, nicht von außen wie bei Mose.

Hier, am Tabor wie später auch am Ölberg, schlafen die drei Jünger. Schlafen, das ist ja immer eine ganz gute Methode, wenn man etwas nicht hören will. Und diese drei Jünger wollen vom Leiden Jesu nichts hören. Und als Jesus dann am Ölberg real ins Leiden geht, schlafen sie erneut. Das ist vielleicht auch der Grund, warum manche Leute bei der Predigt schlafen: Sie wollen die Worte des Priesters einfach nicht hören.

Und es geschah, als diese sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte. Während er noch redete, kam eine Wolke und überschattete sie. Sie aber fürchteten sich, als sie in die Wolke hineingerieten. Da erscholl eine Stimme aus der Wolke: Dieser ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören. Während die Stimme erscholl, fanden sie Jesus allein. Und sie schwiegen und erzählten in jenen Tagen niemandem von dem, was sie gesehen hatten. (vgl. Vers 33-36)

Die drei Jünger haben wohl nichts von der Unterredung mitbekommen, da sie ja geschlafen haben und eben auch nichts hören wollten. Und wahrscheinlich hätten sie auch damals wohl noch nicht verstanden, was das heißt: von den Toten auferstehen. Erst als Mose und Elija sich von Jesus verabschieden wollten, wachen sie auf. Petrus will dann gleich feststehende Hütten bauen, also nicht bloß Zelte, die man leicht wieder abschlagen kann. Er will dableiben. Er will nicht mehr weiter. Er will nicht nach Jerusalem, dahin, wo Jesus leiden muss. Dann heißt es so schön: „Er wusste aber nicht, was er sagte.“ So wie Jesus später vom Kreuz herab sagt: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lk 23,34), so weiß Petrus nicht, was er sagt und tun will, dass er mit seinen Wünschen und Vorstellungen eigentlich die Erlösung der Welt verhindern würde. Er weiß nur: „Es ist gut, dass wir hier sind.“ Aber mit dem Leiden Jesu kann er nichts anfangen.

Was Petrus irdisch will, nämlich Hütten bauen, das tut Gott dann auf seine Weise, indem er sie alle – auch die Apostel – in eine Wolke einhüllt. Jetzt haben sie ihre Hütte, denn jetzt sind sie eingehüllt. Die Wolke ist in der Hl. Schrift immer das Zeichen der Gegenwart Gottes, das Zeichen seiner Herrlichkeit. Und immer, wenn die Wolke auftaucht, wenn die Herrlichkeit Gottes gegenwärtig wird, gerät der Mensch in Angst und Furcht. Denken wir an die Wolke im Offenbarungszelt oder die Wolke bei der Einweihung des Tempels des Salomo. Niemand konnte jeweils hinein, weder ins Offenbarungszelt noch in den Tempel, in das Allerheiligste, so lange die Wolke darauf ruhte – das ist Gegenwart Gottes. Die Wolke ist hier also scheinbar furchterregender als Jesus selbst. Den Anblick des verklärten Jesus haben die drei Jünger ausgehalten, aber als sie in die Wolke kommen, in die Gegenwart Gottes des Vaters, bekommen sie Angst.

Und dann hören sie die Stimme Gottes: „Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.“ – auf ihn! Wort und Verklärung ergänzen sich hier. Mehr als auf Mose und die Propheten muss man auf den Sohn hören, auf Jesus. Die wahre Jüngerschaft besteht nicht aus sinnloser Aktivität, wie bei Petrus. Hütten bauen ist sinnloser Aktivismus, der Gott gleichsam festhalten, ja letztlich sogar an der Erlösung behindern will. Wahre Jüngerschaft aber vollzieht sich im Hören auf den Kyrios, auf den geliebten Sohn des Vaters.

Da müssen natürlich auch wir uns immer wieder fragen: Hören wir auf das Wort Gottes? Lesen wir in der Hl. Schrift, auch zu Hause? Leben wir also die wahre Jüngerschaft Jesu? ∎