Mi., 20. April 2022Lesezeit 10 minFather Hans Buob

Zweiter Sonntag der Osterzeit

Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien im Lesejahr C

The Incredulity of Saint Thomas, by Caravaggio (ca. 1602).

Bibelstellen


Johannes 20,19-31

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten. Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.

Biblische Predigten


„Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.“ (vgl. Vers 19-20)

Die genaue Zeitangabe, die im Evangelium eigentlich ungewöhnlich ist, will das Geschehen vom Abend mit dem Geschehen des Morgens verbinden. Morgens – das war der Tag der Auferstehung Jesu. Und dieses Geschehen des Morgens findet jetzt am Abend seinen Höhepunkt. Trotz verschlossener Türen – und zwar: „aus Furcht“, wie es ausdrücklich heißt – tritt Jesus in ihre Mitte. Dieses Erscheinen Jesu befreit die Jünger von Furcht und Trauer. Von nun an hören wir nicht mehr, dass sie sich aus Furcht einschließen.

Der Friedensgruß Jesu und damit auch die Gewissheit, dass Er es wirklich ist, lassen die Furcht in den Herzen der Jünger der Freude weichen. Sie freuen sich, als sie den Herrn sehen. So ist der Friedensgruß zum österlichen Gruß geworden – bis heute.

Jesus zeigt ihnen seine Wundmale an den Händen und an der Seite, um zu beweisen: Er ist derselbe Jesus wie vor dem Leiden. Das Wort „dass sie ihn sahen“ ist eigentlich die Einlösung des Versprechens, das Jesu vor seinem Leiden gab: „Ihr werdet mich wieder sehen“ und „Euer Herz wird sich freuen“. An dieser Stelle finden wir nun die Bestätigung dieser Worte Jesu:

Wir feiern ja heute zugleich den Barmherzigkeitssonntag. Und genau hier, in den Wunden, die Jesus seinen Jüngern zeigt, liegt die Wurzel dieser Barmherzigkeit: So teilt uns die hl. Schwester Faustine mit, dass Blut und Wasser als Quellen der Barmherzigkeit aus dem Herzen, aus der Seite Jesu fließen. Diese Wundmale sind also eigentlich die Quelle, der bildhafte Ausdruck des unendlichen Erbarmens Gottes. Hier zeigt sich, was Gott alles aus Barmherzigkeit für uns riskiert hat. Diese Wunden stehen für sein ganzes, auch inneres Verwundetsein, und gerade die Herzwunde weist auf seine Verwundung in der Tiefe des Herzens, in der innersten Mitte der Person hin. Denn das Herz ist ja die innerste Mitte der Person. Hier liegt die Quelle der Barmherzigkeit. Gerade die Seite ist also der Blick in die innerste Mitte der Person Jesu, sein innerstes Leiden, der Ausdruck seines Erbarmens mit uns. Das Wort Jesu an Schwester Faustine: „Nie in alle Ewigkeit wird je ein Mensch die Tiefe meiner Barmherzigkeit ergründen können.“ klingt hier in diesem Bericht mit.

„Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ (vgl. Vers 21)

Jesus spricht seinen Jüngern noch einmal den Frieden zu und will damit ausdrücken, dass der Friede in Zukunft mehr ist als bloß ein Gruß oder ein Segenswunsch. „Schalom“ war damals und ist bis heute ja der normale Gruß für den Juden. Jetzt aber, als österlicher Gruß Jesu, wird er mehr sein als nur Gruß und Segenswunsch. Der Friede wird ein inneres Geschenk sein, das sich gleichsam nach außen auswirken soll. Er ist, wie Paulus schreibt, einer der Früchte des Geistes geworden: Friede, Freude, Liebe, Geduld. Ein Friede, der selbst wenn ich mitten in einem äußeren Unfrieden bin, in meiner Tiefe ruht. Darum sagt Jesus auch zu den Aposteln: „Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!“ (Lk 10,5), also den Ostergruß. Und wenn dort Kinder des Friedens wohnen und ihn annehmen, wird er auf ihnen ruhen; wenn nicht, kehrt er zu euch zurück.

Der Friedensgruß ist also nicht mehr nur ein gewöhnlicher Gruß oder ein Segenswunsch, sondern ein inneres Geschenk, das sich nach außen auswirken soll. Das merken wir, wenn wir Menschen begegnen, die in diesem inneren Frieden mit Gott und sich selbst leben. Da wird deutlich, dass das nichts Gemachtes oder Antrainiertes ist, sondern die Gabe des auferstandenen Herrn. Und genau das sollten wir in der Eucharistie ernst nehmen, wenn der Priester sagt: „Der Friede des Herrn sei alle Zeit mit euch.“ Hier wird uns dieses Geschenk des Friedens vom auferstandenen Herrn, der gegenwärtig ist, übermittelt. Wir sollen daher diesen Zuspruch des Priesters nicht einfach bloß als Gruß hören, sondern ganz bewusst darauf warten und antworten: Ich nehme diesen Frieden des auferstandenen Herrn ganz bewusst an. Dann werden wir die Erfahrung machen, dass wir bei manchen Turbulenzen des Alltags diesen inneren Frieden behalten dürfen. Das ist eine große Gnade, denn wenn der Mensch in einem inneren Unfrieden leben muss, wirkt sich das unwahrscheinlich nach außen aus.

Mit seinem Gruß leitet Jesus jetzt auch die Sendung der Jünger ein. Die Gegenwartsform im Griechischen: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ zeigt, dass jetzt die Stunde der Sendung ist. Es ist nicht etwas, das erst noch kommt oder schon vorbei ist, sondern etwas, das jetzt ist und immer sein wird. Es ist immer Gegenwart. Es ist immer die Sendung Jesu, die er vom Vater bekommen hat, die jetzt die Sendung der Kirche, d.h. unsere Sendung ist.

Die Jünger übernehmen also nun die Sendung, die Jesus vom Vater her hatte. Jesus geht es hier um die Weitergabe von Vollmacht und um die Weitergabe seines Auftrages, den er vom Vater hatte: das Heil und die Erlösung der Welt weiterzuvermitteln. Das sind Auftrag und Vollmacht Jesu. Und den Herrn in der Welt gegenwärtig zu machen und sein Heilswirken fortsetzen ist nun die Sendung der Jünger. Aber voraus geht der Friede. Sie brauchen keine Angst zu haben. Jesus spricht ihnen zu: Ihr dürft diesen österlichen Frieden, diesen Ostersieg in euch tragen.

„Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.“ (vgl. Vers 22-23)

Nach der Sendung folgt nun die Geistmitteilung. Die Salbung des Hl. Geistes ist die Voraussetzung, diese Sendung ausüben zu können So wie Jesus im Jordan gesalbt wurde und die Stimme des Vaters erscholl: „Das ist mein geliebter Sohn.“, so sollen jetzt auch die Jünger den Hl. Geist empfangen. Deshalb folgt jetzt notwendig auf die Sendung die Geistmitteilung. Es heißt im Griechischen wörtlich „er blies ein“. Einblasen bedeutet schon im Alten Testament: Übertragen von Leben. Das ist der Atem, der Lebenshauch, ruach, der Heilige Geist. Die Jünger bekommen so Anteil am Leben des auferstandenen Herrn. Er hat ja den Hl. Geist in Fülle besessen und überträgt ihn nun seinen Jüngern und damit auch uns. Es ist derselbe Heilige Geist, der Jesus geführt hat.

Das Wort vom Nachlassen der Sünden und vom Zurückhalten ist ein großartiges Vollmachtwort des auferstandenen Herrn, denn dazu ist er gekommen: die Sünde zu vergeben. Er hat uns von der Sünde erlöst. Darum ist gerade das Bußsakrament das Sakrament des auferstandenen Herrn. Leider ist heute diese große Gnade der Auferstehung fast vergessen! Wir sollten aber schauen, dass wir wieder zu diesem gewaltigen Sakrament des Ostertages zurückfinden und diese große Gnade nicht mehr vernachlässigen, denn dafür ist Christus Mensch geworden. Um uns diese Erlösung von unseren Sünden zu schenken, hat er sein bitteres Leiden auf sich genommen.

„Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“ (vgl. Vers 24-25)

Johannes will mit seinem Evangelium unseren Glauben stärken. Das ist das Ziel. Und deshalb bringt er am Ende des gesamten Berichtes etwas, das ihm sehr wichtig erscheinen muss, nämlich diesen Abschnitt über den zweifelnden Thomas. Schon im Joh 14,5 sagt Thomas zum Herrn: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?“ (Joh 14, 5) Auch schon an dieser Stelle spüren wir bei Thomas also ein ernstes Ringen. Er will mit dem Herrn gehen, aber er weiß nicht wie.

Und jetzt bezeugen ihm die anderen Jünger: „Wir haben den Herrn gesehen.“ Das griechische Wort „horao“ (οραω), meint nicht einfach nur ein Sehen, sondern drückt immer eine Gotteserscheinung aus. Es ist eine Offenbarung, eine Wahrnehmung und ein Erkennen, das mehr ist als nur „jemanden oder etwas sehen“. Sie haben den Herrn gesehen heißt also: Sie haben ihn erkannt als den Auferstandenen. Und das Wort im Perfekt, einer Vergangenheitsform, die besagen will: Sie haben ihn gesehen und erkannt und das, was sie gesehen haben, ist jetzt noch immer in ihnen real da, es ist auch Gegenwart und Zukunft, etwas Bleibendes.

Thomas aber geht nun weiter, denn er sagt sich: Augen können täuschen. Wenn Jesus wirklich auferstanden ist, dann muss er ja berührbar sein. Das ist eigentlich eine logische Überlegung des Thomas. Thomas ist also kein Zweifler aus Kritiksucht. Es gibt Kritiker, die an allem zweifeln, weil sie immer alles besser zu wissen glauben. Thomas aber ist ein Zweifler aus Not. Das ist ein Unterschied. Weder die Jünger noch der Herr sind über ihn entrüstet, denn er ist ein echt um die Wahrheit Ringender.

„Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ (vgl. Vers 26-28)

An dieser Stelle schält sich bereits der Sonntag gegenüber dem Sabbat heraus. So wie die erste Begegnung Jesus mit den Jüngern am Sonntag stattfand, findet auch acht Tage später die zweite Begegnung mit den Jüngern am Sonntag, dem ersten Tag der Woche, statt. Der siebte Tag, der Sabbat, ist im Schöpfungsbericht der Tag der ewigen Ruhe. Der erste Tag des Schöpfungsberichtes ist die Neuschöpfung. Und so ist der Tag der Auferstehung der Sonntag, der Tag der Neuschöpfung, des neuen Lebens. Deshalb feiern wir den Sonntag und deshalb ist der Herr am Sonntag auferstanden und den Jüngern am Abend desselben Tages erschienen und eine Woche später wieder an einem Sonntag.

Interessant ist nun bei diesem zweiten Erscheinen Jesu, dass zwar auch hier wieder die Türen verschlossen sind, aber da steht nichts mehr von Furcht. Denn die Jünger haben Jesus ja bereits gesehen. Die Furcht und die Angst waren ihnen genommen, d.h. der Auferstandene hat bereits etwas in ihnen bewirkt.

Es ist für Thomas nun wichtig, dass Jesus wieder in ihrer Mitte steht. Und Jesus – das ist wunderbar geschildert – wendet sich dem Thomas zu. Es geht ihm um den Einzelnen in seiner besonderen Lage. Das galt damals, das gilt aber auch heute für uns. Jesus weist Thomas nicht zurück. Er kritisiert ihn nicht: Wieso glaubst Du nicht? Nein. Er nimmt ihn ernst in seiner Not. Das ist eine wunderbare Offenbarung Gottes. Er nimmt ihn ernst in seinem Fragen. Er wendet sich ihm als Einzelnen zu, obwohl alle Anderen auch da sind. Jesus kennt seine Not und Thomas darf erfahren: Der Herr kennt mich ganz. Er erfährt: Jesus geht auf meine Not ein, ohne mich zu kritisieren, ohne mich in irgendeiner Weise in Frage zu stellen. Das ist diese wunderbare Offenbarung, die uns genauso gilt wie Thomas.

Thomas erfährt dann Ähnliches wie Nathanael. Als Philippus dem Nathanael – der ja auch gezweifelt hat – verkündet: „Wir haben Jesus von Nazareth gefunden.“, entgegnet dieser aus seinem Zweifel heraus: „Aus Nazareth? Kann von dort etwas Gutes kommen?“ (Joh 1,46) Nazareth steht nicht in der Schrift, also kann doch der Messias nicht von Nazareth kommen. In dieser Situation bleibt Philippus nichts anderes übrig als zu sagen: „Komm und sieh!“ Und tatsächlich geht Nathanael trotz seiner Zweifel mit. Jesus sieht ihn auf sich zukommen und sagt: „Da kommt ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit“ (Joh 1,47), d.h. ein ehrlich fragender Israelit, der in der Schrift forscht, wirklich die Wahrheit und damit den Messias sucht. Und auf die überraschte Frage des Nathanael: „Woher kennst du mich?“ antwortet Jesus: „Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.“ (Joh 1,48) Ähnlich wie Thomas im heutigen Evangelium erfährt auch Nathanael: Dieser Jesus kennt meine innere Not, mein Suchen nach der Wahrheit, meine Suche nach dem Messias. Er hat mich sogar unter dem Feigenbaum erkannt. Vielleicht hatte Nathanel unter dem Feigenbaum etwas ganz Persönliches erlebt, von dem nur er selbst wusste und von dem darum auch nur Gott wissen konnte. So war Nathanael überzeugt: Dieser Jesus kennt meine Not. Er geht auf mich zu. Nur er, Gott, kann mein Inneres erkennen. Und Thomas macht die gleiche Erfahrung: Jesus weiß um meine innerste Not und er geht auf mich zu. Auch wenn wir Jesus, wenn wir Gott fern meinen, ist er doch immer da.

Jesus erlaubt dem Thomas, was sein Glaube jetzt braucht, nämlich Berührung. Im Griechischen heißt es wieder wörtlich genau nicht wie im Deutschen „sei“, sondern „werde“: ginu (γινου): „Werde nicht ungläubig, sondern gläubig.“ Dieses „werde“ ist hier ganz entscheidend, es zeigt nämlich: Thomas ist kein ungläubiger Thomas, sondern er will gläubig werden. Er steht gleichsam dazwischen. Er kann jetzt beides werden, entweder ungläubig oder gläubig. Unglaube ist im Neuen Testament kein Fehlen des Glaubens, sondern bewusste Ablehnung des Glaubens. Thomas also, der Jesus jetzt berühren darf, ihn sieht und hört, kann jetzt ungläubig werden – also den Glauben bewusst ablehnen – oder gläubig. Er muss jetzt eine Entscheidung treffen. Und das, was Jesus ihm alles aufgedeckt hat – nämlich: Ich kenne deine Not, auch wenn du mich nicht gesehen hast, und ich gehe auf sie ein – genügt Thomas zu seinem wunderbaren Bekenntnis „Mein Herr und mein Gott!“ Diese Antwort des Thomas ist das Bekenntnis des Christen schlechthin

„Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen." (vgl. Vers 29-31)

„Weil du mich gesehen hast“, heißt es im Griechischen wörtlich,

„bist du gläubig geworden.“ Und auch hier steht wieder der Perfekt, um deutlich zu machen: Thomas ist nicht für diesen einen Augenblick gläubig geworden, sondern auf Dauer.

Die Seligpreisung derjenigen, die nicht gesehen haben und dennoch glauben, gilt uns: Selig sind diejenigen, die vor 2000 Jahren nicht dabei waren, die ihn nicht mit irdischen Augen gesehen oder mit ihren Händen berührt haben und doch glauben werden. Das ist ein Blick Jesu von Thomas weg gleichsam auf alle nachkommenden Generationen, auf uns.

Im Prolog des Johannesevangeliums heißt es: „Im Anfang war das Wort.“(Joh 1,1) Und dieses Wort geht jetzt durch die Zeugen in die Welt: „Diese [Zeichen] aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.“ (Joh 20,31) Das Wort geht also durch die Zeugen – durch Thomas und die anderen Apostel und schließlich auch durch uns – in die Welt und bewirkt Glauben. Das Wort bewirkt Glauben, nicht die Wunder!

So verbindet sich im Johannesevangelium der Anfang mit dem Schluss. Betrachten wir noch einmal dieses Evangelium. Es hat uns sehr viel zu sagen für unser Leben.