Mo., 11. Oktober 2021Lesezeit 15 minFather Hans Buob

Die Reichen und das Reich Gottes

Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien im Lesejahr B

Bibelstellen


Markus 10, 17-30

Biblische Predigten


Die Reichen und das Reich Gottes

Als Jesus weitergehen wollte, lief ein Mann auf ihn zu, warf sich vor ihm auf die Knie und fragte: »Guter Lehrer, was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?« Jesus entgegnete: »Weshalb nennst du mich gut? Es gibt nur einen, der gut ist, und das ist Gott. Du kennst doch seine Gebote: Du sollst nicht töten! Du sollst nicht die Ehe brechen! Du sollst nicht stehlen! Sag nichts Unwahres über deinen Mitmenschen! Du sollst nicht betrügen! Ehre deinen Vater und deine Mutter!« »Lehrer«, antwortete der junge Mann, »an all das habe ich mich von Jugend an gehalten.« Jesus sah ihn voller Liebe an: »Etwas fehlt dir noch: Geh, verkaufe alles, was du hast, und gib das Geld den Armen. Damit wirst du im Himmel einen Reichtum gewinnen, der niemals verloren geht. Und dann komm und folge mir nach!« Als er das hörte, war der Mann tief betroffen. Traurig ging er weg, denn er besaß ein großes Vermögen. Da schaute Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: »Wie schwer ist es doch für Menschen, die viel besitzen, in Gottes Reich zu kommen!« Seine Jünger waren über diese Worte erschrocken, aber Jesus betonte noch einmal: »Ja, ihr Lieben, wie schwer ist es doch, in Gottes Reich zu gelangen! Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in Gottes Reich kommt.« Darüber waren die Jünger noch mehr entsetzt, und sie fragten sich: »Wer kann dann überhaupt gerettet werden?« Jesus sah sie an und sagte: »Für Menschen ist es unmöglich, aber nicht für Gott. Für ihn ist alles möglich!« Jetzt fragte Petrus: »Aber wie ist es nun mit uns? Wir haben doch alles aufgegeben und sind mit dir gegangen.« Jesus antwortete: »Ich versichere euch: Jeder, der sein Haus, seine Geschwister, seine Eltern, seine Kinder oder seinen Besitz zurücklässt, um mir zu folgen und die rettende Botschaft von Gott weiterzusagen, der wird schon hier auf dieser Erde alles hundertfach zurückerhalten: Häuser, Geschwister, Mütter, Kinder und Besitz. All dies wird ihm – wenn auch mitten unter Verfolgungen – gehören und außerdem in der zukünftigen Welt das ewige Leben.

Jesus ist wieder auf dem Weg – auf dem Weg nach Jerusalem, wo Tod und Auferstehung auf ihn warten – also auf das Endziel zu. Da läuft ein Mann auf Jesus zu, offensichtlich ein Reicher. Er läuft auf Jesus zu und fällt auf die Knie. Das war damals in der jüdischen Welt ein Ausdruck hohe Anerkennung. Er sagt: „Guter Lehrer, was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?“ Dass ihr ihn „Guter Lehrer“ nennt und ihn sogar fragt „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?“, das zeigt, dass Jesus seiner Meinung nach den Willen Gottes kennen muss, sonst würde er ihm diese Frage nicht stellen. Er schien zutiefst überzeugt davon, dass Jesus den Willen Gottes kennt. Das drückt seine Frage aus. Was meint er denn damit? Das griechische Wort bezeichnet mit „ ewige Leben bekommen“ ein Empfangen, dass mir sicher ist. Also will dieser reiche Jüngling etwas tun, was ihm ganz sicher den Himmel garantiert. Das ist bedenklich! Er, ein Mensch, der nur Zeitliches tun kann, will etwas tun, um ganz sicher das Unverdienbare, das Ewige zu bekommen, als ob er es bezahlen könnte.

Jesus entgegnete: „Weshalb nennst du mich gut? Es gibt nur einen, der gut ist, und das ist Gott.“ (vgl. Vers 18)

Jesus weist von sich selbst weg – auf den Vater hin. Nur einer ist gut, Gott, der Eine. Er weist ganz weg von sich, ganz auf den Vater hin. Mit seiner Antwort will Jesus ausdrücken, dass der Fragende einzig und allein die Gebote Gottes halten muss, wenn er das Reich Gottes erlangen will. Und Jesus führt aus: „Du kennst doch seine Gebote: Du sollst nicht töten! Du sollst nicht die Ehe brechen! Du sollst nicht stehlen! Sag nichts Unwahres über deinen Mitmenschen! Du sollst nicht betrügen! Ehre deinen Vater und deine Mutter!“ Damit weist ihr hin auf den Willen des Vaters. Es sind die Gebote der zweiten Tafel. Wie Sie wissen, hat Mose zwei Tafeln aus Stein vom Sinai gebracht. Auf der ersten Tafel standen die ersten drei Gebote, in denen es um Gott geht: Du sollst keine fremden Götter neben mir haben, du sollst den Namen Gottes heiligen und du sollst den Tag Gottes heiligen. Auf der zweiten Tafel des Mose standen die übrigen Gebote. Jesus zitiert also diese zweite Tafel, denn die erste Tafel hatte er schon zusammen gefasst mit den Worten: „Weshalb nennst du mich gut? Es gibt nur einen, der gut ist, und das ist Gott.“

Darauf erwidert ihm diese reiche Jüngling: „An all das habe ich mich von Jugend an gehalten.“ (vgl. Vers 20)

Im Griechischen heißt „von Jugend an“ wörtlich: seit dem Unterscheidungsalter. Er hatte also von da an, seitdem er für sein Tun verantwortlich ist, alle diese Gebote beachtet. Deshalb darf er nach der jüdischen Auffassung als ein Gerechter gelten. Er hat sich an das Gesetz gehalten. Von Jesus hatte er vermutlich erwartet, dass er ihm das bestätigt.

Jesus sah ihn voller Liebe an: ‚Etwas fehlt dir noch: Geh, verkaufe alles, was du hast, und gib das Geld den Armen. Damit wirst du im Himmel einen Reichtum gewinnen, der niemals verloren geht. Und dann komm und folge mir nach!‘“ (vgl. Vers 21)

Obwohl dieser Mann als gerecht galt, da er alle Gebote von seinem Unterscheidungsalter an eingehalten hatte, sagte Jesus zu ihm: „ trotzdem hast du einen Mangel. Es fehlt dir noch etwas.“ Jesus schaute in die Tiefe seines Herzens und schloss ihn in seine Liebe ein, weil dieser Mann es ehrlich meinte. Deshalb hatte er Mitleid mit ihm und aus diesem Mitleid heraus machte er ihn aufmerksam auf einen Mangel, der ihn hinderte, den er noch nicht erkannt hatte: „ nimm den Stolz aus deinem Herzen heraus, der dich sagen lässt: ‚Das alles tue ich’!“ Dieser Stolz – das alles tue ich – als ob wir etwas tun könnten ohne die Gnade, ohne Gott! Viele denken ähnlich: „Ich mache es. Ich will mir den Himmel verdienen. Was muss ich noch tun, um den Himmel ganz sicher zu haben?“ Jesus weist ihn auf diesen Stolz hin. Sein äußerer Besitz ist für ihn, nach allgemein jüdische Auffassung, Ausdruck des geistlichen Besitzes. Reichtum galt als Zeichen dafür, dass Gott einen gesegnet hatte, dass er von Gott anerkannt war. Jesus will ihm klar machen: „Dieser irdische Besitz ist keine Garantie dafür, dass du von Gott anerkannt bist.“ Der Jüngling stützt sich ganz und gar auf seinen Besitz. Er gibt ihm die Sicherheit zu sagen: „Ich habe viel Besitz, also hat Gott mich gesegnet. Deswegen habe ich ein Recht auf den Himmel.“ Doch den Himmel kann ich mir nur schenken lassen. Den kann kein Mensch sich verdienen, weil es um etwas Unendliches, Ewiges geht. Wir, als zeitliche Wesen, können uns nichts Ewiges verdienen. Wir können es uns nur schenken lassen. Dieser Jüngling stützt sich also auf seine Werke. Dies ist ein Punkt, der jeden von uns angeht. Wir müssen uns fragen: „Auf was stütze ich mich vor Gott?“ Wie oft sagen wir in einer Notsituation: „Lieber Gott, jetzt habe ich so viel gebetet, jetzt habe ich Gutes getan, jetzt habe ich anständig gelebt, und jetzt lässt du das über mich kommen, jetzt mutest du mir diese Krankheit zu oder den Unfall in der Familie oder dieses Missgeschick oder diesen Misserfolg usw.“ Kennen Sie das? Also habe ich mich auf meinen Beten abgestürzt: Ich bete, also muss Gott mich segnen, er muss mir irdisches Wohlergehen, irdisches Glück, irdischen Erfolg schenken. Ich verlasse mich auf mein Tun. Doch dieses Tun – mein Beten, mein Bemühen, die Gebote zu halten, d.h. täglich im Willen Gottes zu leben – ist nicht selbstlos. Es ist nicht Ausdruck meiner Liebe, sondern ich tue es so wie der reiche Jüngling und frage dann: „Was kriege ich dafür?“ Ich will bezahlen. Das ist meine Sicherheit. Meine Sicherheit ist nicht Gott selbst. Meine Sicherheit ist nicht die Liebe Gottes, seine Barmherzigkeit, sondern mein eigenes Tun, mein Werk. Das ist auch unser Problem, unser Mangel. Deshalb kommen viele glaubende, fromme Leute ins Schleudern, wenn einmal Leben etwas für nicht nach ihrem Willen geht, nicht nach ihrer Vorstellung. Da muss ich mich fragen: „Warum nimmt mir Gott etwas weg?“ Und oft war das etwas, worauf ich mich gestützt habe, weil das für mich Sicherheit bedeutete. Meine Sicherheit war nicht Gott. Meine Sicherheit war nicht der Glaube, war nicht das Vertrauen auf die Führung Gottes, der mich auch durch Dunkelheit führt, auch einmal durch Misserfolg. Meine Stütze war nicht die Liebe Gottes und die Barmherzigkeit Gottes. Das ist eine ganz, ganz wichtige Erkenntnis. Deshalb sollten wir alles, was wir tun, aus Liebe tun und nicht als eine Leistung, durch die ich von Gott etwas erzwingen will. Weil Jesus ihn liebt, weißt du ihn darauf hin.

„Als der Mann das hörte, war er tief betroffen. Traurig ging er weg, denn er besaß ein großes Vermögen.“ (vgl. Vers 22)

Traurig ging er weg. Er hat es nicht begriffen, was Jesus ihm sagte. Viele Besitztümer hatte ihr und für ihn waren sie Zeichen, dass Gott ihn gesegnet hat. Er konnte nicht umdenken. Doch Jesus ruft zum Umdenken, zur Umkehr – immer wieder. So können auch wir oft nicht umdenken, nicht umkehren von unserem Leistungsdenken vor Gott, von unserer Leistungsfrömmigkeit. Als Jesus sein Lohndenken aufdeckt, kommt die ganze Verstrickung seines Lebens an den Tag. Diesem reichen Jüngling fehlt das Gottvertrauen. Er hat sich auf seine Werke verlassen, auf sein treues Halten der Gebote und auf seinen Reichtum, aber nicht auf Gott. Er erwartet nicht alles ausschließlich von Gott.

„Da schaute Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: ‚Wie schwer ist es doch für Menschen, die viel besitzen, in Gottes Reich zu kommen!‘ Seine Jünger waren über diese Worte erschrocken, aber Jesus betonte noch einmal: ‚Ja, ihr Lieben, wie schwer ist es doch, in Gottes Reich zu gelangen! Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in Gottes Reich kommt.’“ (vgl. Vers 23-25)

Jesus schaut seine jünger rings um an und sagt: „Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!“ Die Jünger erschraken, denn auch sie dachten, dass der Reiche, der von Gott Gesegnete sei, der Gerechte, der ein Recht hat auf den Himmel. Sie erschraken: Wenn schon die mit Reichtum Gesegneten nicht hineinkommen, wie sollen dann sie selbst hineinkommen, die nichts oder nicht viel haben? Die 2000-jährige Kirchengeschichte bestätigt Jesu Aussage. Der Mensch, der reich ist, ist immer in der Gefahr, sich auf dem Reichtum abzustützen. Doch es gibt nicht nur einen irdischen Reichtum, es gibt auch einen geistigen Reichtum, zum Beispiel unser Aussehen, unser Titel, unser Beruf, unser Einbildung, etwas Großes zu sein. Auch darauf kann ich mich stützen – auf mein Wissen und Können. Es tut mir gut, wenn alle staunen, was ich alles weiß. Wenn alle mich fragen. Sie kennen das! Das ist ein geistiger Reichtum. Es gibt auch einen geistlichen Reichtum, so wie beim Jüngling: Ich bete und halte die Gebote, nur damit ich in den Himmel komme, aber nicht aus Liebe zu Gott. Ich stütze mich auf mein Tun ab. Doch dieses Sich-Verlassen auf solche Reichtümer – materiell, geistig, geistlich – führt nicht zum Ziel. Das zeigt, dass ich nicht von Gott alles erwarte, nicht von seiner Liebe, sondern von meinen Werken. Das heißt nicht, dass ich nichts tun soll, sondern dass ich  alles noch mehr tun soll, wenn es möglich ist, aber aus Liebe zu Gott und den Menschen. Das ist der Unterschied. Da braucht es wieder ein Umdenken. Wir denken nämlich wie die Welt, wie dieser reiche Jüngling.

Jesus sah sie an und sagte: ‚Für Menschen ist es unmöglich, aber nicht für Gott. Für ihn ist alles möglich!‘“ (vgl. Vers 27)

Es ist für uns Menschen unmöglich, den Himmel zu bezahlen, durch unsere menschlichen Werke in den Himmel zu kommen. Wir können nur zeitliche Werke tun. Was ich tue, ist ja begrenzt, aber der Himmel ist etwas Unbegrenztes, Unendliches, Ewiges – das Geschenk der Liebe. Deshalb sollte auch das, was ich tue, mein Geschenk der Liebe zu Gott und zu den Menschen sein. Aus diesem Wissen, dass es für Menschen unmöglich ist, den Himmel zu bezahlen, sollten wir die Überschrift der Bergpredigt ernst nehmen, die Armut. Armut heißt – alles, was ich tue, will ich von Gott nicht bezahlt bekommen - alles, was ich tue, im Gebet, in der Nächstenliebe, in meinem Beruf, in meiner Arbeit. Ich versuche, den Willen Gottes zu erfüllen aus reiner Liebe, aber selber bleibe ich ganz arm. Ich will dafür nichts. Ich tue es nicht, weil ich etwas haben will. Das ist Armut. Ich will vor Gott ganz arm sein, ganz bedürftig, ganz angewiesen auf seine Liebe und seine Barmherzigkeit. Ich will alles in Armut von ihm erwarten. Das ist gemeint und das macht Sie frei. Wissen Sie, wenn Sie dauernd Reichtum anhäufen - manche meinen ja, mit viel Verdiensten den Himmel bezahlen zu müssen – dann haben Sie immer Angst, Sie könnten am Schluss noch sündigen. Und dann sind die ganzen Verdienste im Eimer. Wenn ich aber alles Gott gegeben habe, alles aus Liebe zu ihm getan habe, kann nichts kaputtgehen. Und wenn ich mich ganz darauf verlasse, dass ich alles von ihm geschenkt bekomme, ist das die größte Freiheit und Sicherheit. Es macht uns frei von dem Druck, leisten zu müssen. Das ist das wunderbare dieses Evangeliums.

„Jetzt fragte Petrus: ‚Aber wie ist es nun mit uns? Wir haben doch alles aufgegeben und sind mit dir gegangen.‘“ (vgl. Vers 28)

Nun rechnet Petrus auch auf: „Wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt“ – wir sind also ganz arm geworden. Wie sieht es jetzt bei uns aus? Wir können gar nichts bezahlen. Wir können den Himmel nicht bezahlen. Wir haben ja nichts! Petrus spricht jetzt für die anderen, also für die Apostel und er sagte wieder: „Schau, Herr! Überleg mal! Wir haben alles verlassen. Wir sind dir nach gefolgt.“ Und Jesus antwortet: „Ich versichere euch“, also: Es ist todsicher. Es geht um das ganz sichere Eintreffen dessen, was er nun verkündet, nämlich:

„Ich versichere euch: Jeder, der sein Haus, seine Geschwister, seine Eltern, seine Kinder oder seinen Besitz zurücklässt, um mir zu folgen und die rettende Botschaft von Gott weiterzusagen, der wird schon hier auf dieser Erde alles hundertfach zurückerhalten.“ (vgl. Vers 29-30a)

Jesus geht es zunächst um das sichere Eintreffen dieses verkündeten Lohnes. Die richtige Motivation, sagt er, ist notwendig. Erstens – es muss „um meinetwillen“ sein. Dies ist auch eine Anfrage an Sie und an mich: Tue ich alles um Jesu willen? Das heißt: Radikaler Verzicht auf alle bisherigen Bindungen und ausschließlich das Bekenntnis zu Jesus Christus. Ich binde mich nicht an alles Mögliche und alle möglichen Menschen, sondern allein an Jesus Christus. Das ist Ganzhingabe. Die zweite wichtige Motivation, die Jesus nennt, ist: „um des Evangeliums willen“. Jesus fragt auch uns: „Warum habt ihr alles verlassen? Überlegt doch einmal: Warum? Welche Absichten habt ihr dabei? Habt ihr etwas verlassen, um etwas Bestimmtes zu gewinnen, also im Sinn der Leistung? Oder habt ihr es verlassen einfach um Jesu willen und um des Evangeliums willen, um der Botschaft Jesu willen?“ Auch wir müssen uns fragen: „Tue ich alles – bete ich, arbeite ich, leide ich usw. – um Jesu Christi willen, aus Liebe zu ihm, um der Botschaft Jesu willen, damit alle gerettet werden? Ist das meine Motivation?“ Dazu fordert uns das Evangelium auf, dazu fordert uns Jesus auf.

„Häuser, Geschwister, Mütter, Kinder und Besitz. All dies wird ihm – wenn auch mitten unter Verfolgungen – gehören und außerdem in der zukünftigen Welt das ewige Leben.“ (vgl. Vers 30b)

Hören Sie genau hin! Wer um Christi willen und des Evangeliums willen, der Botschaft willen lebt, beten, arbeitet, leidet – der wird alles doppelt erhalten, denn wir um Christi willen sich ihm ganz hingibt, gibt ja alle anderen Bedingungen auf. Das heißt nicht, dass ich nach meinen Verwandten oder meinen Eltern nicht mehr schaue. Das ist nicht gemeint, sondern: Ich binde mich nicht. Sie sind nicht meine Sicherheit, sondern meine einzige Sicherheit ist Jesus Christus. Der Jünger erhält also alles Verlassene – Haus oder Brüder, Schwester, Mutter, Kinder oder Äcker – alles, was er verlassen hat, hundertfältig zurück, und zwar in dieser Weltzeit. Doch sicher haben Sie bemerkt: Eines fehlt. Er bekommt alles zurück – außer dem Vater. Den bekommt er nicht zurück. In seiner radikalen Existenz hat sich dieser Jünger ja nur einem einzigen Vater unterstellt, dessen Herrschaft Jesus als nahe ankündigt – die Herrschaft Gottes. Er ist der einzige Vater. Deshalb ist das ausgelassen. Jesus will sagen: „Ihr habt euch diesem Vater allein überlassen. Er ist jetzt euer Vater. Ihr bekommt Gott zum Vater.“ Dann wird noch ein Hinweis gegeben auf Verfolgungen: Damit müsst ihr rechnen, dass ihr um Christi willen, um des Evangeliums willen, verfolgt werdet. Das merken Sie oft in der eigenen christlichen Gemeinde oder Familie. Wenn Sie ein „Vaterunser zu viel beten sind Sie schon fast verfolgt – Sie werden schon als überzogen angesehen.

… und außerdem in der zukünftigen Welt das ewige Leben." (vgl. Vers 30c)

Dieses „ewige Leben“ ist kein Ausgleich für ein gescheitertes Leben hier. So ist es nicht gemeint – sondern: Ewiges Leben ist die Vollendung eines geglückten Lebens, ist die Vollendung eines Lebens, dass in der Freiheit des Verzichtes gelebt wurde, so wie es Jesus im heutigen Evangelium von seinen Jüngern und uns gefordert hat. Wenn ich mich von allen Bindungen losgesagt habe, wenn ich mich nicht mehr auf Reichtum stütze – materiell, geistig, geistlich, auf Menschen – sondern einzig und allein auf den Vater im Himmel, allein auf Gott, dann ist das ein geglücktes Leben. Verzicht – in Freiheit! Das ewige Leben ist das Große, was uns dann geschenkt wird. Der darauf folgende Satz steht nicht mehr im heutigen Evangelium: „Viele, die jetzt einen großen Namen haben, werden dann unbedeutend sein. Und andere, die heute die Letzten sind, werden dort zu den Ersten gehören.“ (vgl. Vers 31) Doch er gehört eigentlich dazu. Denn die „Letzten“, d.h. die nichts haben, die Letzten, die nichts verdient haben, sie werden Erste sein. Ihnen wird alles geschenkt. Und die, die meinen, den Himmel verdienen zu können, die Ersten, sie werden die Letzten sein. Wir sollen also in dieser vollkommenen Armut und Demut vor Gott stehen, und dann wird uns, garantiert, einfach alles geschenkt. Ein wichtiges Evangelium, das unter die Haut geht! Es hat mit unserer Existenz zu tun, jeden Tag. Wenn Sie sich darauf einlassen, werden Sie in eine größere Freiheit kommen, nämlich: In die Freiheit der Kinder Gottes. ∎