Mi., 8. Dezember 2021Lesezeit 10 minFather Hans Buob

Dritter Adventssonntag

Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien im Lesejahr C

Bibelstellen


Lukas 3, 10-18

Da fragten ihn die Scharen: Was sollen wir also tun? Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso! Es kamen auch Zöllner, um sich taufen zu lassen, und fragten ihn: Meister, was sollen wir tun? Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist! Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemanden, erpresst niemanden, begnügt euch mit eurem Sold! Das Volk war voll Erwartung und alle überlegten im Herzen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand, um seine Tenne zu reinigen und den Weizen in seine Scheune zu sammeln; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen. Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk und verkündete die frohe Botschaft.

Biblische Predigten


„Da fragten ihn die Scharen: Was sollen wir also tun? Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso!“ (vgl. Vers 10-11)

Dem heutigen Evangelium voraus geht die Forderung des Johannes nach Umkehr. In Lk 3,9 heißt es: „Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt.“ Das Gericht ist also nahe und es wird deshalb höchste Zeit, sich Gottes bewusst zu werden. Die Zuhörer des Johannes reagieren auf diese Predigt betroffen. Wie aber reagieren wir auf dieses Wort? Kommen auch wir zu Johannes und fragen: Was muss ich tun? Oder hören wir seine Worte, gehen zur Tagesordnung über und leben genauso oberflächlich weiter wie bisher? Aber es handelt sich hierbei ja um das Wort Jesu. Das Wort, das sie gehört haben, hat sie schon gerichtet. Das Gericht läuft während unseres Lebens, je nachdem wie ich dieses Wort Gottes angenommen und mich von ihm habe treffen lassen. Da sollten wir uns immer wieder selbst hinterfragen.

Die Menschen, die die Predigt des Johannes gehört haben, sind jedenfalls betroffen und fragen ihn, was sie tun sollen. Johannes hält ihnen daraufhin gewissermaßen eine Standespredigt, d.h. er erklärt für jeden Stand ganz individuell, was für ihn Umkehr bedeutet. Es handelt sich hierbei zunächst einmal um ganz „normale“ Menschen, die Familien haben und ihren Beruf ausüben. Johannes trennt Bekehrung nicht vom irdischen Beruf. Er fordert niemanden auf, seinen Beruf aufzugeben und wie er in der Wüste zu leben, sondern er schickt alle in ihre Berufung und in ihren Beruf zurück. Dort sollen sie Früchte der Umkehr bringen.

Das ist hier ganz entscheidend. Denn viele Menschen glauben, wenn es um Umkehr geht, um Hinkehr zu und Entscheidung für Gott, dann müssen sie alles aufgeben und etwas vollkommen Neues beginnen. Johannes aber macht seine persönliche Berufung nicht zur Norm für die anderen. Das haben wir bereits im Evangelium des letzten Sonntags gesehen. Seine Zuhörer sollen nicht wie er in der Wüste leben, sondern dort, wo Gott sie hingestellt hat. Darum schickt er sie alle zurück in ihren Stand und in ihren Beruf. Dort sollen sie umkehren, dort sollen sie wirklich Früchte der Umkehr bringen. Die echte Frucht der Umkehr aber ist die Liebe. Sie befähigt zum Teilen der Gewänder und des Essens. Das ist ein Kernsatz dieses Evangeliums.

„Es kamen auch Zöllner, um sich taufen zu lassen, und fragten ihn: Meister, was sollen wir tun? Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist! Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemanden, erpresst niemanden, begnügt euch mit eurem Sold!“ (vgl. Vers 12-14)

Jetzt kommen auch die Zöllner, die alles, was sie über Gebühr von den Leuten verlangten, für sich selbst einkassierten und daher als Betrüger und Erpresser galten, zu Johannes und fragen: Und wir, die wir ja gewissermaßen offiziell als Sünder gelten, was sollen wir tun? Und selbst ihnen sagt er nicht, dass sie ihren in den Augen der jüdischen Gesellschaft verwerflichen Beruf aufgeben sollen, sondern er trägt ihnen auf, dass sie nur das vom Gesetz her Zustehende von den Leuten verlangen und sie nicht mehr erpressen sollen. Die Soldaten waren normalerweise keine Juden, sondern heidnische Soldaten der römischen Besatzungsmacht. Doch auch von ihnen kommen einige und fragen Johannes: Was sollen wir tun? Ihnen entgegnet Johannes, dass sie ihre Gewalt, die sie als Soldaten haben, nicht missbrauchen sollen. Sie sollen die Leute nicht misshandeln und schikanieren. Und sie sollen sich mit ihrem Sold zufrieden geben. Auch ihnen sagt er also nicht: Gebt euren Soldatendienst auf!, sondern: Kehrt um und bringt Früchte der Umkehr als Soldaten, in eurem Stand!

Johannes fordert also, dass alle ihre Standessünden aufgeben. Das Volk wird nicht zur Armut aufgefordert, wie sie Johannes gelebt hat, sondern es wird aufgefordert, zu geben und zu teilen. Nicht das Geldgeschäft macht den Zöllner schuldig, sondern seine Diebereien und das Ausnutzen seiner Stellung. Und den Soldaten werden nicht ihre Waffen abgenommen, sondern es wird ihnen lediglich verwehrt, die Menschen zu erpressen und ihnen gegenüber Gewalt auszuüben. Denn Jesus kommt ja in diese Welt der Geschäfte und der Zölle. Und er kommt in eine Welt, in der es Soldaten gibt, die den Frieden bewahren sollen. Jeder soll also an dem Ort, an dem er gestellt ist, Früchte der Umkehr bringen. Letztlich ist das natürlich auch unsere Frage an Johannes: Was sollen wir als Christen tun, wir Ordensleute, Eheleute, Priester oder Menschen in den verschiedenen Berufen: Was sollen wir in unserem Beruf und in unserer Berufung tun? Und was sind unsere Standessünden? Wo wird in unserem Stand die Liebe verletzt? Wo teilen wir nicht – unser Wissen, unsere Gaben und Fähigkeiten von Gott, unser Geld, unsere Zeit usw.?

„Das Volk war voll Erwartung und alle überlegten im Herzen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.” (vgl. Vers 15-16)

Johannes weiß, dass die Umkehrtaufe eigentlich nur der Anfang ist, dass also eine neue Kraft dazukommen muss, die neues Leben ermöglicht. Seine Taufe ist daher eine Verheißung: „Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“ (vgl. Vers 16) Der Heilige Geist wird also die neue Kraft sein, die dazukommt.

Die Sehnsucht nach dem Christus, dem Messias, dem Erlöser und Retter des Volkes Israel, war damals sehr groß, denn die Zustände zur Zeit des Herodes waren schlimm. Auch in unserer Zeit sind die Zustände nicht gerade rosig, aber: Erwarten wir den wiederkommenden Christus, unseren Erlöser, wie er sich verheißen hat? Erwarten wir wirklich ihn? Oder erwarten wir ganz andere „Christusse“? Es ist erschreckend, wie heute selbst bis in die Politik hinein, im Geheimen falsche Christusse erwartet werden, die mit „geistiger Kraft“ die Welt verändern sollen. Im Bereich des New Age und der Esoterik etwa dreht sich alles um die Erwartung eines falschen Messias. Viele erwarten nicht mehr den Christus, der uns verheißen worden ist, der mitten in das Chaos hinein wiederkommen und eine neue Weltordnung schaffen wird. Wer in der Politik oder sogar in der Kirche rechnet wirklich noch mit diesem Christus in unserer verfahrenen Situation, die sicher nicht weniger schlimm ist als die zur Zeit des Herodes? Die Menschen erwarteten den Messias. Aber was für einen Messias erwarten sie? Da sollten auch wir uns wieder genau prüfen. Das heutige Evangelium deckt also wieder vieles auf – aber ziehen wir daraus auch Konsequenzen?

Johannes hält sich nicht für wert, dem Kommenden, nämlich Christus, Sklavendienste zu leisten. Er ist nicht wert, die Sandalen zu lösen. Und obwohl Tausende ihm zuhören und ihm nachfolgen, so freut es ihn doch, wenn sie letztlich nicht an ihm hängen bleiben, sondern ihn verlassen und dem Größeren, nämlich Christus folgen. Er weist auf Christus hin. Er will abnehmen, Christus soll wachsen. Aber ist das auch unsere Haltung? Wir alle sind ja zu Aposteln berufen, um in den Herzen der Menschen in unserer Umgebung und in der ganzen Welt den Weg für Gott, für Christus zu bereiten. Aber wie sehen wir unseren Johannesdienst? Lassen wir die Menschen gehen? Freuen wir uns, wenn sie uns verlassen, wenn sie also den Herold vergessen und ganz Christus anhängen? Oder sind wir dann eifersüchtig oder gar beleidigt? Wollen wir sie für uns selbst festhalten? Prüfen wir uns

„Schon hält er die Schaufel in der Hand, um seine Tenne zu reinigen und den Weizen in seine Scheune zu sammeln; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.” (vgl Vers. 17)

Während in Vers 16 vom Hl. Geist und vom Feuer die Rede ist, also vom gnadenvollen Gericht, das reinigt und läutert, weist Johannes in diesem Vers nun ganz eindeutig auf das letzte Gericht hin. Es sind also zwei verschiedene Feuer, von denen hier die Rede ist. In nie erlöschendem Feuer des letzten Gerichts wird die Spreu verbrennen. Das ist das Bild des letzten Gerichtes, das diejenigen vernichtet, die sich der Wirkung des heilsamen Feuers, der Heiligung, entzogen haben.

Heiligung aber ist der Weg unseres Lebens, und sie geschieht wie durch Feuer. Es ist ein reinigender Weg. Darum gibt es keine Heiligkeit ohne Aszese, d.h. ohne dass ich mir Dinge versage, dass ich Verzichte leiste aus Liebe zu Gott, dass ich aus Liebe zu Gott kämpfe und ringe, wo sich Fehler einschleichen, wo Süchte in mir aufkommen. Das ist dann das reinigende und heilende Feuer der Gnade, allerdings nur, wenn ich mittue. Wenn ich aber dieses reinigende Feuer nicht annehme und seine heilsame Wirkung nicht zulasse, dann werde ich diesem vernichtenden Feuer anheim gegeben.

An der Person Jesu wird sich also Weizen und Spreu trennen, an ihr kommt niemand vorbei. Jeder muss sich für oder gegen ihn entscheiden. Das merken wir heute überall sehr deutlich, auch im eigenen Leben. In der wirklichen Christusverkündigung wird immer eine Spannung zwischen göttlichem Gericht und Gnadenfülle entstehen. Das Erscheinen Jesu bringt weder eine billige Gnade noch ein oberflächliches Gericht, sondern es verlangt von mir Ganzhingabe. Es verlangt von mir ein Sich-reinigen-lassen im Feuer der Gnade. Sie ist keine billige Gnade. Es kostet mich etwas. Es ist ein endgültiges Gericht.

„Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk und verkündete die frohe Botschaft.” (vgl. Vers 18)

Während Johannes noch viel anderes zum Trost sagt, verkündet er dem Volk vor allem die Frohbotschaft vom Kommen des Herrn, durch den all das in Erfüllung geht, was Johannes im Zeichen der Taufe ausdrückt: Reinigung von Sünden und Ausgießung des Hl. Geistes.

Prüfen wir anhand des heutigen Evangeliums wieder ganz ernsthaft unseren Lebensadvent: Wie sieht es aus mit meinen Standespflichten und mit meinen Standesssünden? Johannes, was muss ich tun? Anhand des heutigen Evangeliums können wir uns die Antwort auf diese Frage selbst geben. ∎