Mi., 16. März 2022Lesezeit 10 minFather Hans Buob

Dritter Fastensonntag

Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien im Lesejahr C

Parable from the Barren Fig Tree, by Abel Grimmer, in the Museum Plantin-Moretus.

Bibelstellen


Lukas 13,1-9

Zur gleichen Zeit kamen einige Leute und berichteten Jesus von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit dem ihrer Opfertiere vermischt hatte. Und er antwortete ihnen: Meint ihr, dass diese Galiläer größere Sünder waren als alle anderen Galiläer, weil das mit ihnen geschehen ist? Nein, sage ich euch, vielmehr werdet ihr alle genauso umkommen, wenn ihr nicht umkehrt. Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms am Schiloach erschlagen wurden - meint ihr, dass sie größere Schuld auf sich geladen hatten als alle anderen Einwohner von Jerusalem? Nein, sage ich euch, vielmehr werdet ihr alle ebenso umkommen, wenn ihr nicht umkehrt. Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum gepflanzt; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Winzer: Siehe, jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen? Der Winzer erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er in Zukunft Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen!

Biblische Predigten


Zur gleichen Zeit kamen einige Leute und berichteten Jesus von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit dem ihrer Opfertiere vermischt hatte. Und er antwortete ihnen: Meint ihr, dass diese Galiläer größere Sünder waren als alle anderen Galiläer, weil das mit ihnen geschehen ist? Nein, sage ich euch, vielmehr werdet ihr alle genauso umkommen, wenn ihr nicht umkehrt.  (vgl. Vers 1-3)

Einige Leute kommen zu Jesus und berichten von der schaurigen Tat des Pilatus, der diese Galiläer beim Opfer hat umbringen lassen. Im griechischen Text heißt es genauer: Sie kamen extra – im vorhergehenden Text spricht nämlich Jesus vom kommenden Gericht. Und jetzt platzen diese Leute mitten hinein mit ihrem Erlebnis: Diese Galiläer sind umgebracht worden.

Jesus nimmt von den Zwölfen nur diese drei Vertrauten mit. Sie waren auch Zeugen bei der Auferweckung der Tochter des Jaïrus und sie werden auch Zeugen seines Todesleidens sein. Sie werden mit ihm am Ölberg sein. Darum will er sie stärken. Die Verklärung deutet an, dass der Weg durch das Leiden in seine Herrlichkeit geht – der Weg Jesu und der Weg dessen, der ihm folgt, denn er hat ja eingeladen, ihm dahin zu folgen.

Jesus, der den Zusammenhang von Sünde und Strafe, von Leiden und Tod als Folgen der Sünde sehr genau kennt, bestreitet hier nun aber, dass jedes Leid eine Vergeltung für persönliches Vergehen ist: Wenn ich ein Leid erlebe, dann ist das nicht automatisch Folge der Sünde; oder wenn jemand schwer krank wird, dann hat er dies nicht automatisch selbst verdient, weil er gesündigt hat. Das ist unmittelbar einsichtig. Denn wenn dem so wäre, müssten wir ja alle krank oder sogar schon gestorben sein. Natürlich sündigen wir alle immer wieder. Aber ich kann nicht umgekehrt folgern: wenn einer leidet, dann deshalb, weil er gesündigt hat. Jesus widerspricht hier also der irrigen Annahme seiner Zuhörer, dass die von Pilatus erschlagenen Menschen größere Sünder als die anderen Galiläer gewesen sein müssen. Er mahnt vielmehr, auf das eigene Innere, das eigene Herz zu schauen und nicht die anderen in ihrem Unglück zu verurteilen: Diese getöteten Galiläer sind keine größeren Sünder als diejenigen, die jetzt zu Jesus gekommen sind, um ihm davon zu erzählen.

So sollen solche Ereignisse uns immer auch zu uns selber führen. Wenn wir von Katastrophen hören, von Menschen, die umkommen oder furchtbar leiden, dann sollten wir immer in unser Inneres schauen und daran denken: Durch unsere Sünden haben wir alles Leiden der Welt mitverdient. Solche Ereignisse sind immer ein Anruf zur eigenen Umkehr. Das will Jesus sagen. Wir sollen das Unglück anderer gleichsam wie einen Spiegel sehen für alle anderen Menschen, auch für uns selber. Damit lässt Jesus seine Zuhörer erkennen, dass ganz Galiläa in seiner Unbußfertigkeit auf dem Weg zum Gericht ist, nicht nur die, die umgekommen sind. Unser ganzes Dorf, unsere ganze Stadt ist in seiner Unbußfertigkeit auf dem Weg zum Gericht. Das sagt er auch uns heute!

Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms am Schiloach erschlagen wurden - meint ihr, dass sie größere Schuld auf sich geladen hatten als alle anderen Einwohner von Jerusalem? Nein, sage ich euch, vielmehr werdet ihr alle ebenso umkommen, wenn ihr nicht umkehrt. (vgl. Vers 4-5)

Jesus erwähnt dann den Einsturz des Turmes von Schiloach, der schon früher erfolgt ist, und macht noch einmal deutlich: Wenn ihr euch nicht bekehrt – und es heißt im Griechischen: wenn ihr euch bewusst nicht bekehrt – werdet ihr dem Gottesgericht anheim fallen. Das sind schon ganz harte und sehr deutliche Worte gegen die Gleichgültigkeit und Unentschiedenheit der Menschen. Und wenn wir diese Worte hören, gibt es für uns keine Ausrede mehr.

Jesus verlangt, dass wir – auch heute – bei solchen Unheilsberichten nicht selbstgerecht über die Betroffenen urteilen, sondern dass wir wie mit einem Spiegel in uns selber hineinschauen und erkennen: Ich bin mit schuld. Meine Schuld, meine Unbußfertigkeit ist mit schuld. Wir sollen uns dadurch selber wirklich zur Umkehr leiten lassen. Und dazu haben wir ja täglich Möglichkeiten. Täglich hören wir von Unheil in der Welt und darin auch den Aufruf des Herrn zur Umkehr. Wir sollen uns Gott zukehren und nicht den irdischen Götzen.

Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum gepflanzt; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Winzer: Siehe, jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen? (vgl. Vers 6-7)

Um die Mahnung zur Bekehrung ganz eindringlich zu machen, erzählt Jesus dann dieses folgende Gleichnis vom Feigenbaum. Dabei ist klar, dass der Weinbergbesitzer für Gott steht, der Weingärtner aber für Jesus. Hier wird das Verhältnis Gottes geschildert, sowohl zu Israel als auch zum neuen Gottesvolk, uns Christen: Der Feigenbaum im Weinberg ist etwas Einmaliges und Besonderes, so wie Israel durch besondere Erwählung bevorzugt und zum auserwählten Volk Gottes wurde. Und so ist auch das neutestamentliche Gottesvolk, wir Christen, von Gott erwählt und als Feigenbaum in seinen Weinberg eingepflanzt. Auch wir sind besonders bevorzugt um des Heiles der andern willen.

Die drei Jahre Unfruchtbarkeit entsprechen der ganzen Vergangenheit Israels. Gott trauert ja schon Jahrhunderte über die Verstocktheit Israels, wie wir es im Alten Testament immer wieder hören. Und er will dieses Volk dem Gericht übergeben: „Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen?“ Es war alles umsonst, sinnlos. Hau ihn um!

Das sind harte Worte Jesu über das auserwählte Volk Israel. Gleichzeitig sind das aber auch Worte, die er an uns Heutige richtet! Wie sieht es in der ganzen Kirchengeschichte aus? Wie stehen wir zu diesem Wort? Bringen wir wirklich Früchte, Friedensfrüchte? Oder muss Jesus heute auch über uns sagen:

„Hau ihn um! Er saugt nur den Boden aus.“

Aber warum lässt der Weinbergbesitzer den Feigenbaum nicht einfach stehen? Das hat zwei Gründe: Erstens ist der unfruchtbarer Feigenbaum nutzlos, genauso wie ein Christ, der keine Frucht bringt. Zweitens saugt er den guten Weinbergboden aus, den andere eigentlich bräuchten, um Früchte bringen zu können. Israel ist also zweifach dem Gericht verfallen und genauso wir Christen: Es ist nicht wert, Volk Gottes zu sein, und genauso auch wir nicht. Wir nützen die Segnungen des auserwählten Volkes aus, ohne Frucht zu bringen. Den anderen Völkern, die Christus eigentlich mit Freuden aufnehmen würden, fehlt die Kraft aus dem Ackerboden, die wir unnütz vergeuden, weil wir keine Frucht bringen!

Der Winzer erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er in Zukunft Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen! (vgl. Vers 8-9)

Der Gärtner, also Jesus, antwortet gleichsam mit einer Fürbitte an den Vater – das ist die Tat seiner Erlösung! – nämlich: Lass ihn noch ein Jahr stehen. Wir sollten dieses Wort einmal ganz ernst nehmen, ganz wörtlich, und uns davon treffen lassen: Ich habe noch ein Jahr Zeit!

Der Gärtner setzt noch einmal die äußersten Mittel ein. Er gräbt alles um den Baum herum auf und düngt. Das ist die Fülle, die Gnade der Erlösung, die uns Jesus durch sein Leiden und sein Blut verdient hat! Um uns zu retten, hat er alle Mittel eingesetzt, damit wir doch noch Frucht bringen. Aber wenn wir nicht wollen, dann nützt seine ganze Erlösungstat nichts. Wir empfangen Sakramente, die eigentlich fruchtlos bleiben, weil wir sie gar nicht richtig annehmen! Die Frucht wäre eben das Erwachen des Volkes aus der Gottvergessenheit zur Umkehr, hin zu Gott!

Das Gleichnis geht dann gleichsam in eine Drohung über: Wenn der Baum nach einem Jahr noch immer keine Frucht bringt, „dann lass ihn umhauen.“ Das ist eine ganz konkrete Drohung und da wird deutlich, was manche Menschen gerne leugnen: Das Evangelium Jesu ist nicht nur Frohbotschaft, es ist auch Drohbotschaft, aber Drohung, die uns auffordern will umzukehren, damit wir wirklich Gott suchen und ihn finden. ∎