Mi., 2. Februar 2022Lesezeit 10 minFather Hans Buob

5. Sonntag

Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien im Lesejahr C

Bibelstellen


Lukas 5, 1-11

Es geschah aber: Als die Volksmenge Jesus bedrängte und das Wort Gottes hören wollte, da stand er am See Gennesaret und sah zwei Boote am See liegen. Die Fischer waren aus ihnen ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Jesus stieg in eines der Boote, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus. Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch auf dein Wort hin werde ich die Netze auswerfen. Das taten sie und sie fingen eine große Menge Fische; ihre Netze aber drohten zu reißen. Und sie gaben ihren Gefährten im anderen Boot ein Zeichen, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen und füllten beide Boote, sodass sie fast versanken. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Geh weg von mir; denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr! Denn Schrecken hatte ihn und alle seine Begleiter ergriffen über den Fang der Fische, den sie gemacht hatten; ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote an Land, verließen alles und folgten ihm nach.

Biblische Predigten


„Es geschah aber: Als die Volksmenge Jesus bedrängte und das Wort Gottes hören wollte, da stand er am See Gennesaret und sah zwei Boote am See liegen. Die Fischer waren aus ihnen ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Jesus stieg in eines der Boote, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus.“ (vgl. Vers 1-3)

Jesus verkündet am See Genezareth das Wort Gottes, denn dort wollen die Leute das Wort Gottes wirklich hören. Das Stehen Jesu am See drückt bei Lukas die Haltung des hoheitlichen Kyrios, des göttlichen Herrn inmitten seines Volkes aus.

Da das Gedränge der Menge sehr groß ist, steigt Jesus schließlich in das Boot des Petrus und lässt sich ein Stück weit vom Land wegfahren. Da dieser Vorgang hier eigens erwähnt wird, muss das Ganze einen tieferen Sinn haben: Natürlich verschafft dieses Hinausfahren auf den See Jesus die Möglichkeit, von der Menge besser gehört zu werden. Gleichzeitig aber symbolisiert dies auch den gebührenden Abstand der Volksmenge zu der Hoheit Jesu, des Kyrios. Nur einmal noch erscheint Jesus auf dem See gebietend, und zwar als einer, der aus einer anderen Welt kommt. Hier aber spricht der bereits erhöhte Herr in einer Art Vorausbild sein Wort in die Kirche.

Dafür braucht Jesus allerdings Helfer. Und dass er ausgerechnet in das Boot des Petrus steigt, weist bereits auf dessen zukünftige Beauftragung, auf seine künftige Funktion im Schiff der Kirche hin. Das ist das Charakteristische des Wortes Gottes, dass es uns schon in der Schilderung des scheinbar Banalen oder Alltäglichen, Tieferes offenbaren will, das über sich hinausweist.

„Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!“ (vgl. Vers 4)

An dieser kurzen Szene ist auffällig, dass Jesus zunächst nur Simon Petrus in der Einzahl anspricht – „Fahr hinaus auf den See!“ – und dann in der Mehrzahl fortfährt: „Dort werft eure Netze zum Fang aus!“ Dies zeigt bereits hier die Notwendigkeit, dass Simon, wenn er einmal seine Sendung im Boot der Kirche übernimmt, Helfer braucht. Dennoch werden die anderen Fischer nicht namentlich genannt. Petrus allein hat den Auftrag und erst auf seinen Befehl hin machen sich alle mit ihren Booten auf. Es handelt sich hierbei also um eine ganz wichtige Textstelle im Hinblick auf den Primat des Petrus und auch auf seine Stellung in der heutigen Kirche.

„Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch auf dein Wort hin werde ich die Netze auswerfen.“ (vgl. Vers 5)

Das, was in günstiger Nacht nicht gelungen ist, das soll nun zu einer ganz ungünstigen Tageszeit Erfolg haben – eigentlich ein Widerspruch. Doch Simon ist gegen seine Erfahrung als Fischer zum Gehorsam bereit. Und dieser Gehorsam ist das Entscheidende. Da müssen auch wir uns fragen, ob wir als Kirche oder als Einzelne eigentlich im Gehorsam des Herrn stehen oder ob wir nicht unseren eigenen Werken und unseren sogenannten Pastoralplänen, die uns bis jetzt praktisch zu einer sterbenden Kirche geführt haben, mehr trauen als dem Auftrag und Befehl des Herrn, den Anrufen Gottes und den Angeboten des Himmels.

Unter diesen Angeboten des Himmels verstehe ich auch die privaten Offenbarungen, die von der Kirche anerkannt sind. Oder darf der Himmel nicht mehr reden? Muss der Himmel schweigen? Können wir ihm verbieten, dass er uns in seiner unendlichen Barmherzigkeit etwas offenbart, das für das Wachstum der Kirche und für das Heil der Menschen notwendig ist? Doch wir lehnen das, was der Himmel uns anbietet, ab und verlassen uns lieber auf unsere eigenen Werke. Natürlich ist mit der Hl. Schrift die eigentliche objektive Offenbarung Gottes abgeschlossen. Aber wir können Gott auch in Zukunft den Mund nicht verbieten, wenn er uns in seiner unendlichen Liebe und Barmherzigkeit zu Hilfe kommt, weil wir selber nicht mehr weiterkommen.

Petrus muss also im Gehorsam und gegen seine Erfahrung auf den See hinausfahren und er tut es. Er hat das Wort Jesu gehört und sagt darum: Auf dein Wort hin, das du jetzt verkündet hast, fahre ich gegen alle unsere menschliche Erfahrung hinaus. Dieser Gehorsam des Petrus soll allen Amtsträgern die Folgsamkeit dem Wort des Herrn gegenüber demonstrieren.

„Das taten sie und sie fingen eine große Menge Fische; ihre Netze aber drohten zu reißen. Und sie gaben ihren Gefährten im anderen Boot ein Zeichen, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen und füllten beide Boote, sodass sie fast versanken.“ (vgl. Vers. 6-7)

Die Männer fangen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohen. Daher brauchen sie Helfer und rufen die anderen herbei. Auch diese Stelle ist wieder im Blick auf das Reich Gottes und auf die spätere Sendung des Petrus mit seinen Mit-Aposteln zu verstehen.

„Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Geh weg von mir; denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr!“ (vgl. Vers 8)

In dieser Szene wird Simon Petrus wieder sehr herausgehoben gegenüber den anderen, die ja dasselbe erlebt haben und ebenso betroffen sind. Und hier wird er bereits mit seinem späteren Amtsnamen, Simon Petrus, bezeichnet. Er erlebt seine menschliche Nichtigkeit und fällt gleichsam vor der göttlichen Hoheit und Macht Jesu nieder.

Die Anrede Kyrios, die Petrus hier im Griechischen benutzt, lässt die jenseitige Hoheit Jesu noch viel deutlicher werden als noch in Vers 5, wo er ihn mit Meister anspricht. Das ist ein menschlicher Begriff. Doch jetzt, nachdem er den gegen alle Erfahrung und Erwartung überreichen Fischfang erlebt hat, nennt er Jesus Kyri- os, erhöhter Herr.

Die Formulierung des Petrus: „ich bin ein Sünder“ schließlich deutet schon hier seinen späteren Fall und seine Bekehrung an.

Das zeigt auch, dass die Bedeutung des Petrus ganz von der Gnadentat Jesu her begründet ist und nicht durch seine eigene Leistung. Jesus holt damals wie heute immer noch Sünder in seinen Dienst, denn wir alle sind ja Sünder.

„Denn Schrecken hatte ihn und alle seine Begleiter ergriffen über den Fang der Fische, den sie gemacht hatten; ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen.“ (vgl. Vers 9-10)

Das Staunen des Petrus und seiner Begleiter ist vom griechischen Wort her nicht bloß ein Staunen, sondern eher ein staunendes Erschrecken, das der göttlichen Wirklichkeit ganz unerwartet begegnet; etwas, das wir immer bei Offenbarungen des Himmels erfahren.

Jakobus und Johannes waren Geschäftspartner des Simon. Da sie mit Petrus hinausgefahren sind, waren sie auch Mitzeugen des Geschehens. Jesus aber redet nur Petrus an, der ihm zu Füßen liegt. Und er redet ihn mit denselben Worten an, wie alle himmlischen Wesen es gegenüber den Menschen tun (z.B. bei der Verkündigung Marä): „Fürchte dich nicht!“ Mit denselben Worten wird Jesus Petrus später als der Auferstandene und als der erhöhte Herr ansprechen.

Petrus soll Menschen fangen – und leben lassen, wie es das griechische Wort sagt. Er wird damit zum Lebensretter der Menschen, die auf dem Weg des Verderbens sind, und zwar zum Lebensretter auf die Ewigkeit hin. Dabei sind Jesu Worte kein Befehl, etwa zur Nachfolge, sondern sie sind eine Prophetie, die sich schon jetzt erfüllt: „Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen.“

„Und sie zogen die Boote an Land, verließen alles und folgten ihm nach.“ (vgl. Vers 11)

Das soeben von Jesus gesprochene prophetische Wort bewirkt, was es sagt. Es bewirkt in Petrus und seinen Helfern, Johannes und Jakobus, die Kraft, ihm sofort zu folgen, Darum sollten wir auch immer wieder auf prophetische Worte hören, wie Paulus sagt: „Jagt der Liebe nach! Strebt aber auch nach den Geistesgaben, vor allem nach der prophetischen Rede!“ (1 Kor 14,1) und: „Ich wünschte, ihr alle würdet in Zungen reden, weit mehr aber, ihr würdet prophetisch reden.“ (1 Kor 14,5). Denn diese Prophetengabe ist uns in besonderer Weise in der Taufe und v.a. in der Firmung anvertraut und ermöglicht.

Das ist ein Anruf an alle Christen, besonders an alle Verkünder und Verantwortlichen in der Kirche, dem Wort Gottes mehr zuzutrauen. Simon und die anderen konnten ja zuvor direkt erleben, welchen Erfolg der Gehorsam gegenüber dem Wort Jesu bringt: Es waren beide Boote brechend voll. Daran sollen auch wir erkennen, welchen Erfolg die Befolgung des Wortes Jesu bringt und wie wenig Erfolg die Verdrehung seines Wortes, die wir heutzutage leider auch vielfach erleben müssen, bringt. Darum ist auch die Einladung Jesu an Petrus für letzteren gleichsam ein Befehl, weil eben das Wort Jesu ihm zugleich auch die Gnade gibt, ihm zu folgen.

Jesu Wunder und Wort bewirken in Simon einen Neuanfang. Und dieses Gnadengeschenk ist das eigentliche Wunder der Erzählung, neben dem Hauptmotiv dieser Stelle, nämlich der Begründung des Petrusamtes für die Kirche. Dieses Gnadengeschenk zeigt auf, wie die Machttaten und Worte des Kyrios, des erhöhten Herrn, ein Aufruf sein können, sich von ihm treffen zu lassen und ihm zu folgen, ein Aufruf, alles zu verlassen und sein Leben ganz dem Apostolat zu widmen. Darum sollten auch wir auf das Wort Gottes hören und uns von ihm ansprechen lassen. Und dann kann es passieren, dass manches Wort Jesu, manche Machttat Jesu auch für uns ein Aufruf wird, alles zu verlassen und unser Leben ganz dem Apostolat, der Evangelisation, der Rettung der Menschen und der Ehre Gottes zu widmen. ∎