Mi., 18. Mai 2022Lesezeit 10 minFather Hans Buob

Sechster Sonntag der Osterzeit

Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien im Lesejahr C

Ⓒ Photo by Tomáš Malík on Pexels.

Bibelstellen


Johannes 14,23-29

Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen. Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin. Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht. Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch. Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.

Biblische Predigten


„Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen.“ (vgl. Vers 23)

Wir wollen auch heute wieder in dieses wunderbare Gotteswort hineinhören, das Jesus im Abendmahlsaal gesprochen hat. Beide, der Vater und der Sohn, werden zu einem solchen Jünger kommen, der Jesus liebt und an seinem Wort festhält, und bei ihm wohnen. Das, was bereits in Joh 14,21 angedeutet wurde – „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren –, wird hier weitergeführt: Damit ist das Kommen Jesu auf seinem Höhepunkt angelangt. Der Jünger wird jetzt in die Lebens- und Liebesgemeinschaft Gottes miteinbezogen. Das ist die Erfüllung der alttestamentlichen Verheißung vom Wohnen Gottes bei seinem Volk in der Endzeit, d.h. in der Zeit zwischen der ersten und zweiten Ankunft Jesu.

Jetzt sind die Jünger dort, wo Jesus ist. Das offenbare Schauen der Herrlichkeit wird allerdings erst in der himmlischen Welt sein, in die uns Jesus vorausgegangen ist. Dort wird der Vater den, der Jesus hier im Leben dienend folgt, ehren: „Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.“ (Joh 12,26)

„Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.“ (vgl. Vers 24)

In diesem Vers gibt Jesus dem Judas eine indirekte Antwort auf das, was vorausgegangen ist, nämlich auf den geplanten Verrat des Judas (Joh 13,21-30) und auf seine Frage: „Herr, warum willst du dich nur uns offenbaren und nicht der Welt“ (Joh 14,22). So wie Judas achtet auch unsere Zeit die Worte Jesu nicht und deshalb liebt und versteht sie ihn auch nicht. Wir müssen das Wort Gottes zuerst annehmen. Wenn wir nur kritisch an jedem Wort herum feilen, wird sich Gott uns in seinem Wort nicht offenbaren. Das Wort Jesu: „Meine Schafe hören auf meine Stimme“ (Joh 10,27) meint dagegen ein aufmerksames Hören auf den, der sein Leben für uns hingegeben hat als Voraussetzung dafür, dass Gott sich uns durch sein Wort offenbaren kann.

Weil auch unter uns Christen vielen dieses Hören fehlt, kann Gott sich also nicht offenbaren. Das ist eine sehr klare Warnung. Und wenn jemand behauptet, er könne nicht glauben und auch das Wort Gottes nicht annehmen, sollte er sich fragen, ob er überhaupt hört. Ist er überhaupt bereit, sich von Gott etwas sagen zu lassen?

„Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.“ (vgl. Vers 25)

Die Redewendung „Ich habe es zu euch gesprochen“, taucht immer wieder im 15. und 16. Kap. des Johannesevangeliums auf. Sie markiert gleichsam den Abschluss der internen Jünger- Unterweisung, so wie Jesus bereits in Kap. 12 die öffentliche Verkündigung vor der Welt abgeschlossen hat: „Solange ihr das Licht bei euch habt, glaubt an das Licht, damit ihr Söhne des Lichts werdet. Dies sagte Jesus. Und er ging fort und verbarg sich vor ihnen.“ (Joh 12,36). Jesus macht auf die Bedeutung seiner Worte, die er auf Erden gesprochen hat, aufmerksam: Es gibt über seinen Tod hinaus keine neue Offenbarung Gottes, sondern die Worte, die er auf Erden gesprochen hat, besitzen bleibende Gültigkeit. Die Worte Jesu in der Zeit seiner irdischen Pilgerschaft, seines irdischen Lebens, sind unersetzlich und unüberholbar durch neue Offenbarungen. Es gibt keine neue Offenbarung.

Darum sollen die Jünger seine Worte, an die der Heilige Geist sie erinnern wird, bezeugen, wie es dann in V. 26 deutlich heißt. Seine Worte haben ihre Grenze in der Fassungskraft der Jünger. Da die Jünger aber noch nicht erlöst sind, bleiben ihnen seine Worte oft noch rätselhaft. Darum heißt es oft im Anschluss an ein Wort Jesu: „Sie verstanden ihn noch nicht“. Der tiefere Sinn der Worte Jesu bleibt ihnen noch verschlossen, und Jesus selbst weist z.B. in Joh 16,25 auf dieses Problem hin: „Dies habe ich in verhüllter Rede zu euch gesagt; es kommt die Stunde, in der ich nicht mehr in verhüllter Rede zu euch spreche, sondern euch offen den Vater verkünden werde.“ Es muss also noch etwas geschehen, damit diese Worte, damit diese Offenbarung der ganzen Welt zu allen Zeiten auch wirklich präsent ist und verkündet werden kann. Und tatsächlich erinnern sich die Jünger nach der Auferstehung Jesu an das, was er gesagt hatte. Dieses Erinnern aber ist das Wirken des Hl. Geistes, den Jesus ihnen durch seine Erlösung verdient hat. Der Heilige Geist und seine Sendung sind somit eine notwendige Voraussetzung dafür, dass die Botschaft und  die Offenbarung Jesu, die mit seinem Tod abgeschlossen ist, nicht verloren geht.

Das verweist wiederum auf die Notwendigkeit des Lehramtes der Kirche, in dem wir eine Garantie dafür haben, dass uns der Heilige Geist diese Offenbarung Jesu immer mehr vertieft. Darum entwickelt sich das Wort Gottes immer mehr, so dass wir es durch die Jahrhunderte hindurch immer tiefer erkennen. Gerade bei den Heiligen und bei den Mystikern, die den Geist Gottes ganz zulassen, erahnen wir diese immer tiefere Erkenntnisse des Wortes Gottes und der Offenbarung Jesu. Das ist auch der Sinn der Dogmen, in deren Formulierungen uns der Geist Gottes die Offenbarungen Jesu immer genauer erschließt. Ohne diesen Hl. Geist wäre uns also Vieles von der Offenbarung Jesu verloren gegangen, weil den Jüngern damals der Sinn seiner Worte noch verschlossen war.

„Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (vgl. Vers 26)

Jesus spricht hier zu den zwölf Aposteln, zu den Hirten der Kirche, und versichert ihnen: Der Geist Gottes wird euch alles lehren und an alles erinnern. Aber diese Zusage gilt nicht nur für die zwölf Apostel, sondern für alle, die ihnen nachfolgen. Denn es wäre ja Gottes unwürdig, wenn mit ihrem Tod seine Offenbarung plötzlich wieder verloren ginge. Wenn Gott Mensch wird, um uns die volle Offenbarung zu bringen, dann garantiert er uns auch, dass wir selbst nach 2000 Jahren noch die volle Wahrheit besitzen – vielleicht sogar noch vertiefter, weil der Geist Gottes schon 2000 Jahre in der Kirche wirken konnte.

Wir haben also nichts verpasst. Wir sind nicht zu spät dran. Erst der Paraklet, der Heilige Geist, wird die Jünger alles lehren, denn ohne ihn haben sie Vieles eben noch nicht verstehen können. Der Paraklet-Zuspruch in diesem Vers ist gewissermaßen ein Gegenbild zur augenblicklichen Situation im Abendmahlsaal vor dem Tod und der Auferstehung Jesu, in der die Jünger nur ein mangelhaftes Verständnis haben. Jesus konnte in der Kürze der Zeit nicht alles in voller Begreiflichkeit sagen, darum überlässt er die weitere Belehrung dem Parakleten. Der Heilige Geist wird sein Werk fortführen und vollenden, aber nicht durch neue Lehren, sondern durch Vertiefung dessen, was Jesus gelehrt hat.

„Er wird euch an alles erinnern.“ Es wird nichts verloren gehen. Das ist das Lehramt der Kirche. Jesus hat es den Aposteln zugesagt und das ist unsere Garantie. Deshalb nennen wir auch die Hl. Schrift, in der die Jünger und ihre Schüler – Lukas und Markus – alles niedergeschrieben haben, geistgewirkt. Es ist nicht einfach ein menschliches Wort oder ein menschlicher Einfall, sondern vom Hl. Geist inspiriert. Und was vom Hl. Geist inspiriert ist, hat das Lehramt der Kirche bestimmt. Das ist die Lehre der Kirche. Das ist auch für nicht-katholische Christen vielleicht ganz interessant. Sie haben die Garantie, dass die Heilige Schrift das vom Hl. Geist inspirierte Wort Gottes ist, nur durch das Lehramt der katholischen Kirche. Denn diese hat auf verschiedenen Synoden und Konzilien bestimmt, welche Schriften unter den vielen andern Schriften, die es damals noch gegeben hat und die wir zum Teil ja heute noch als die sog. Apokryphen kennen, die vom Hl. Geist inspirierten Schriften sind und welche nicht. Das ist das Wirken des Geistes in der Lehre und im inspirierten Wort Gottes. Weil wir also durch das Lehramt der katholischen Kirche diese Garantie haben, dürfen wir durch diese Überlieferung des Neuen Testamentes allen anderen Christen und allen Menschen dienen und uns daran freuen.

Die weitere Funktion des Parakleten aber ist die Erinnerung an alles, was Jesus selbst gesagt hat. Darin besteht letztlich sein Lehren. Die erste Funktion ist ja das Lehren, die zweite die Erinnern, aber beides gehört zusammen. Jesus spricht von der Sendung des Hl. Geistes durch den Vater wie auch er selber, Jesus, vom Vater gesandt worden ist. Ähnlich spricht Paulus in Gal 4,6 von der Sendung des Hl. Geistes in unser Herz: „Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unser Herz, den Geist, der ruft: Abba, Vater.“ Und in 1 Petr 1,12 heißt es: „Den Propheten wurde offenbart, dass sie damit nicht sich selbst, sondern euch dienten; und jetzt ist euch dies alles von denen verkündet worden, die euch in der Kraft des vom Himmel gesandten Hl. Geistes das Evangelium gebracht haben. Das alles zu sehen, ist sogar das Verlangen der Engel.“

Die Sendung des Sohnes und die Sendung des Hl. Geistes stehen also in einer Linie. Die Sendung des Hl. Geistes ist die Fortsetzung der Sendung des Sohnes. Darum sagt Jesus: Freut euch doch, wenn ich zum Vater gehe, damit er euch in meinem Namen den senden wird, der euch an alles erinnert und euch alles lehrt und das, was er vom Vater her bekommen hat, durch die Jahrtausende weiterführt. Da spüren wir gleichsam diese eine Linie der Sendung des Sohnes und der Sendung des Hl. Geistes.

„Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.“ (vgl. Vers 27)

Jesus verabschiedet sich nicht mit einem gewöhnlichen Gruße, sondern mit der Gabe des Friedens. Denn Friede ist hier nicht im Sinne eines Grußes gemeint, sondern Ausdruck des eschatologischen Heiles, also des endgültigen Heiles, das uns Jesus durch die Erlösung verdient hat. Mit dem Kommen Jesu ist dem Menschen dieses Heil angeboten. In der Verkündigung wird dieser Friede als Gabe des Herrn wirksam.

Das also ist der Gruß des Auferstandenen. Es ist ein Friede für die große Drangsal in der Welt, wie es in der Geheimen Offenbarung heißt: Frieden lasse ich zurück, Frieden gebe ich euch. Jesus sagt uns diesen Frieden im Präsens zu, also in der Gegenwart: nicht „ich werde geben“ oder „ich habe gegeben“, sondern „ich gebe“. Es handelt sich also um einen Dauerzustand. Überall, wo die Botschaft Jesu verkündet wird, wird sie die Gabe des Friedens vermitteln. Denken wir an die Märtyrer. Oder auch an uns selber, an alle Situationen, in denen andere Menschen vielleicht verzweifelt sind oder verwirrt werden, wo wir aber – wenn wir mit Jesus in Verbindung und untereinander in der Einheit sind und den Geist Gottes bitten – innerlich eine Ruhe finden, und sehr schnell zu einem inneren Frieden kommen in der Gewissheit: Gott hat alles in der Hand. Es hat alles einen Sinn. Das ist die Gabe des Friedens. In jeder Eucharistiefeier wird diese Gabe vermittelt. Aber wir nehmen sie oft nicht als Gabe des Auferstandenen an, sondern beten ganz formelhaft daher: „und mit deinem Geiste“. Unter Umständen sagen wir dem Banknachbarn auch noch ein vielleicht gar nicht ernst gemeintes „Friede sei mit dir.“ Dabei ist dieser Friede Christi, das Wissen, in Gottes Hand zu sein, aus der mich niemand entreißen kann, ein so großartiges und bleibendes Geschenk und umfasst alle Bereiche des Lebens.

Bei Paulus ist er das „Trachten des Geistes“ (Röm 8,6) oder die „Frucht des Geistes.“ (Gal 5,22) Zusammen mit der Gerechtigkeit und der Freude ist der Friede die Manifestation des Reiches Gottes: „Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, es ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Hl. Geist.“ (Röm 14,17). Für Johannes ist Friede ein Spezifikum der Zeit des Geistes von der ersten bis zur zweiten Wiederkunft des Herrn. Einen solchen Frieden kann die Welt nicht geben. Er ist etwas so Tiefes, dass die Welt ihn auch nicht stören oder gar zerstören kann.

Von daher ist auch die Aufmunterung (und Ermahnung) Jesu zu verstehen: „Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.“ Nach allem, was Jesus bis dahin über die Gemeinschaft der Jünger mit Jesus und dem Vater gesagt hat, wiederholt er noch einmal verstärkt die Aufmunterung, nicht zu verzagen. Wir haben Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn. Wir haben keinen Grund, zu verzagen. Das griechische Wort für „verzagt nicht“, „deiliao“ (δειλιαω) gehört eigentlich in das Wortfeld von „phobos“ (φοβοσ), „Furcht“. Wir sollen in der Gegenwart Christialle Furcht überwinden: „Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen. Ich und der Vater sind eins.“ (Joh 10,27-30)

„Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch. Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.“ (vgl. Vers 28)

Jesus macht hier deutlich, dass sein Weggang zum Vater von den Jüngern nicht etwa Trauer, sondern sogar Freude verlangt. Dabei wäre Trauer sicher die normalste Reaktion, wo er ihnen doch ankündigt, dass er sie verlassen wird. Aber es geht hier um ihre Liebe zu Jesus. Wenn sie aus ihr heraus an seinem Wort festhalten und ihm gehorchen, so entspringt daraus die Freude über seinen Weggang. Denn wenn er nicht weggeht, kommt ja der Heilige Geist nicht, der uns in diese Worte einführt, an denen wir aus Liebe zu Jesus festhalten. Darum gehört nicht nur Friede, sondern auch Freude zur Grundstimmung des Jüngers.

Die Aussage „der Vater ist größer als ich“ wirkt zunächst ebenfalls befremdlich. Aber sie drückt die freiwillige Unterordnung des Sohnes unter den Vater aus; verbunden allerdings mit dem Anspruch des Sohnes auf gleiche Lebensfülle (Joh 10,30: „Ich und der Vater sind eins.“ und Joh 5,26: „Denn wie der Vater das Leben in sich hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben in sich zu haben.“), auf gleiches göttliches Sein (Joh 1,1: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“) und auf die gleiche Herrlichkeit (Joh 17,5: „Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war.“). Weil vom Vater also alles ausgeht, weil in ihm gleichsam alles zum Ziel geführt wird, ordnet sich Jesus hier dem Vater unter. Ähnlich finden wir das in Mt 11,27 und Lk 10,22: „Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden.“ sowie in Joh 15,15: „Ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.“

Natürlich ist Jesus deshalb nicht weniger Gott als der Vater, aber er hat sich immer dem Vater untergeordnet und er wird nichts verkünden, was er nicht vom Vater gehört hat. Und auch der Heilige Geist wird seinerseits „nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.“(Joh 16,13-14) Auch die Sendung und die Verherrlichung des Sohnes (Joh 13,32: „Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen.“) hat Jesus mit dem Vater gemein und dennoch hat er sich dem Vater unterstellt, ist von ihm gesandt. Der Vater wird sich also in der Verherrlichung seines Sohnes als der Größere erweisen.

Die Verherrlichung des Sohnes, seine Erhöhung am Kreuz und seine Erlösung, bringt den Jüngern die Erfüllung all dessen, wovon Jesus geredet hat. Dadurch verherrlicht Jesus den Vater, so wie dieser ihn verherrlicht hat.

„Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.“ (vgl. Vers 29)

Jesus nimmt hier noch einmal die Mahnung zum Glauben vom V. 1 dieses Kapitels auf: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich!“ (Joh 14,1) Aber noch fehlt ihnen ja der Heilige Geist, der sie dann endgültig in den Glauben einführen und ihnen seine Gaben vermitteln wird. Das Perfekt „eireka“ (ειρηκα), „ich habe es euch gesagt“, meint seine ganze Rede, also alles, was er ihnen jemals gesagt hat. „Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt“. Wenn diese Verherrlichung geschieht und der Geist gesandt wird als Frucht der Erlösung, sollen die Jünger in diesem Hl. Geist alles erkennen und zum Glauben an all die Worte kommen, die Jesus ihnen gesagt hat und die sie jetzt vielleicht noch nicht annehmen können. Dieser Ausblick in die Zukunft soll ihnen allen Schrecken nehmen.

Aber das alles gilt auch für uns: Wir brauchen keine Angst zu haben, dass mit seinem Tod alles aus ist und alles, was er gesagt hat, vergessen wird. Wir haben die Gabe des Hl. Geistes! Wir sind getauft und gefirmt. Wir sind durch die Taufe in die Erlösung hineingeboren worden, die meisten von uns gleich nach der Geburt. Wir haben diesen Glauben. Wir dürfen diese Frucht der Verherrlichung Jesu am Kreuz, unsere Erlösung, annehmen. Jesu Worte sind daher ein Ausblick in die Zukunft, der uns allen Schrecken nimmt. Auch in unserer Situation und in der Zeit, in all der Unsicherheit, in der wir jetzt leben, wissen wir, dass wir in seiner Hand sind, ganz gleich, was in der Welt – wirtschaftlich, politisch oder wie auch immer – geschehen wird. Wir und letztlich alle Menschen sind in seiner Hand, alle sog. großen Mächte und Kräfte der Welt, bis hin zum Satan. Sie alle müssen letztlich dem Plan Gottes dienen. Und selbst wenn es um unser Leben geht, wissen wir, dass wir eingehen werden in die Herrlichkeit des Vaters. Wir haben diese Gewissheit durch das inspirierte Wort Gottes, das Jesus uns jetzt an dieser Stelle sagt: „Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.“ Das ist der wahre Friede, der nur von Gott kommt.