Fr., 30. April 2021Lesezeit 5 minminicatNina S. Heereman, SSD

Christi Himmelfahrt

Was feiern wir an Christi Himmelfahrt?

Ⓒ Photo by Blake Cheek on Unsplash

Was feiern wir an Christi Himmelfahrt? In der ersten Lesung heißt es, dass Jesus den Jüngern 40 Tage lang erschienen ist und ihnen vom Reich Gottes erzählt hat. Das Reich Gottes und Christi Himmelfahrt haben viel miteinander zu tun: Wir müssen uns allerdings vor zwei naiven Vorstellungen hüten:

  1. Das erste Missverständnis: Man könnte meinen, der Himmel, in den wir irgendwann gelangen werden, sei einfach nur das wiedergefundene Paradies. Nach dem Motto: Adam und Eva sind aus diesem schlaraffenlandartigen Garten herausgestoßen worden, und wenn wir sterben, dann kommen wir wieder dorthin zurück und es wachsen uns die Bananen in den Mund – völliger Unsinn! Das Bild vom Paradies im Alten Testament ist ein Symbol für die erste Schöpfung, die vollkommen war: ohne Tod, ohne Krieg, ohne Leiden, etc. Diese Schöpfung ist durch die Sünde des Menschen zerstört worden. Seitdem leiden wir unter Krieg und vor allem unter dem Tod. In Jesus aber ist Gott Mensch geworden. Das an sich ist schon unglaublich. In diese wie nach einem Erdbeben, oder Tsunami zerstörte Welt, ist er hineingekommen. Er tritt in die Zeit ein und unterwirft sich selbst den Leiden der alten Schöpfung. Mit seinem Tod nimmt er die alte Schöpfung mit hinein in den Tod und steht wieder auf. Durch die Auferstehung Christi geschieht eine absolute Neuschöpfung, etwas radikal Neues. Sein auferstandener Leib ist der Beginn des Himmelreiches.

  2. Das zweiten Missverständnis: Wenn Jesus heute zum Vater hinaufgeht, ist es nicht so, als ob er wie ein Astronaut zum höchstgelegenen Ort des Universums ginge. Da hat Juri Gagarin (sowjetischer Kosmonaut und erster Mensch im Weltraum) ganz Recht: Dort ist Gott nicht zu finden. Jesus tritt vielmehr in seiner Menschheit in eine völlig andere Realität ein. Zum ersten Mal wird dabei ein Mensch in das Innerste der Dreifaltigkeit, die reiner Geist ist, eintreten. Jesus, der zugleich Gott und Mensch ist, er, der Logos, der Sohn des Vaters, hat einen menschlichen Leib angenommen. Dieser Leib ist auferstanden und ist eine neue Schöpfung. Mit diesem menschlichen Leib geht der Sohn Gottes nun dorthin zurück, wo er herkam: In das Herz der Beziehung zwischen Vater, Sohn und Heiliger Geist. So eröffnet sich uns der Himmel allein dadurch, dass wir durch die Taufe mit dem Leib Christi verbunden sind. Und deshalb heißt es im Kolosserbrief: „Dankt dem Vater mit Freude! Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind. Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes. Durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden. Er ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. (…) Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, um durch ihn alles auf ihn hin zu versöhnen.“ (Kol 1,12-14.19-20) Das heißt: Wir leben jetzt schon im Vater, weil Christus in uns wohnt. Zwar leben wir selbst noch auf Erden, wir sind aber durch unsere Verbundenheit mit Christus auch schon beim Vater. Wir erleben diese doppelte Realität, wenn wir unseren Glauben wirklich leben und ihn praktizieren. Dadurch machen wir diese Erfahrung, dass wir in unserem Herzen, besonders dann, wenn wir die Kommunion empfangen, schon im Vater sind. Deswegen bietet das Fest Christi Himmelfahrt unglaublichen Grund zur Freude, weil unser Leben schon „mit Christus verborgen (ist) in Gott“ (Kol 3,3). Zugleich warten wir darauf, dass Christus wiederkommt und er das Reich Gottes überall ausbreiten wird. Was ist dieses Reich Gottes? „Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist“ (Röm 14,17). Das Leben in der Kirche ist das jetzt schon unsichtbar existierende Reich Gottes, in dem Christus zur Rechten des Vaters thront, und das sich durch unser Zeugnis ausbreitet. Deshalb sollen wir tagtäglich beten: „Komm Herr Jesus!“ (Off 22,20). Wir bitten jeden Tag in der heiligen Messe darum, wenn wir sprechen: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit“ (vgl. 1 Kor 11,26) Wir beten um die Wiederkunft Christi. Deswegen sagt der Engel: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.“ (Apg 1,11) Jesus wird so wiederkommen, wie er gegangen ist, nämlich auf den Wolken des Himmels. Jeder der von sich behauptet der Messias zu sein, aber nicht auf den Wolken des Himmels kommt, der ist es nicht! Tun wir also unsere Pflicht: Gehen wir in die Welt hinaus, verkünden wir Christus und beten wir: „Komm, Herr Jesus!“, auf dass er bald wiederkomme. Die neun Tage ab Christi Himmelfahrt aber sollten wir uns zunächst intensiv im Gebet vereinen und um den heiligen Geist beten, den Jesus uns versprochen hat. ∎