Mi., 5. Januar 2022Lesezeit 5 minFather Hans Buob

Taufe des Herrn

Biblische Predigten zu den Sonntagsevangelien im Lesejahr C

Bibelstellen


Lukas 3,15-16.21-22

Das Volk war voll Erwartung und alle überlegten im Herzen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Es geschah aber, dass sich zusammen mit dem ganzen Volk auch Jesus taufen ließ. Und während er betete, öffnete sich der Himmel und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

Biblische Predigten


„Das Volk war voll Erwartung und alle überlegten im Herzen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei.“ (vgl. Vers 15)

Zu Beginn des heutigen Evangeliums sehen wir das Volk voller Erwartung, „ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei.“ Wir haben diese Stelle bereits am 3. Adventsonntag betrachtet. Die Predigt des Täufers und die Frage nach dem Messias bewegen offensichtlich viele Menschen in Israel, denn die Zeiten unter Herodes sind so schlimm, dass das ganze Volk in der Erwartung eines erlösenden Messias ist.

„Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“ (vgl. Vers 16)

Johannes greift diese Messias-Erwartung auf und antwortet den wartenden Menschen mit einer Heilsverheißung. Er spricht von einer Feuertaufe und einer rettenden Taufe im Hl. Geist. Seiner Wassertaufe stellt Johannes selbst also die Geisttaufe und die Feuertaufe des Kommenden gegenüber. Seine Heilsbotschaft ist damit sowohl Mahnung als auch Warnung, denn in der Feuertaufe wird gereinigt, evtl. werden sogar diejenigen gerichtet, die die Geisttaufe nicht annehmen.

Johannes kündigt also diesen einen Stärkeren an und für die Zuhörer muss offensichtlich klar gewesen sein, wer damit gemeint ist. Dieser Stärkere ist also ein bereits bekannter Mensch, der schon in ihrer Mitte steht, wie Johannes es ausdrückt: Er ist schon unter euch, aber ihr kennt ihn nicht. Das Lösen der Sandalen weist darauf hin, dass sich der Täufer als Herold Christus total unterordnet, und zwar mehr als ein Sklave. Ein Sklave schnürt die Sandalen seines Herren, aber Johannes sagt: Ich bin nicht einmal wert, dies zu tun.

Wenn Johannes sagt, er taufe nur mit Wasser, so ist dies eine Zusage, dass die Taufe des Stärkeren, dessen, der nach ihm kommt, also Jesus Christus, Sünden abwaschen und zugleich auch den Hl. Geist mitteilen wird. Der Ausdruck „er wird im Heiligen Geist und im Feuer taufen“ bedeutet also: Wer nicht mit dem Hl. Geist getauft wird bzw. sich nicht taufen lässt, wird im Feuer vernichtet. Die Feuertaufe lässt an das Gericht denken, das auf den zukommt, der die Geisttaufe, die Taufe im Hl. Geist, also die Entscheidung für Christus nicht annimmt. Das jüdische Volk hat nach dem Exil mit größter Sehnsucht auf diese Geistmitteilung gewartet.

„Es geschah aber, dass sich zusammen mit dem ganzen Volk auch Jesus taufen ließ. Und während er betete, öffnete sich der Himmel und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“ (vgl. Vers 21-22)

Der nun folgende Taufbericht ist zweifach zu deuten. Erstens wird Jesus als Sohn Gottes bestätigt und zweitens ist diese Taufe die Salbung zum Messias. Vorher sprach Johannes von dem Stärkeren, der kommen wird. Hier nun wird dieser Stärkere von Gott selbst vor dem ganzen Volk offenbar gemacht.

Was dann geschieht, wird in drei Infinitiven, also einfachen Aussagen, geschildert: Der Himmel öffnet sich, der Heilige Geist kommt auf Jesus herab und die Stimme des Vaters spricht aus dem Himmel. Diese drei Infinitive sind so geordnet, dass der erste die beiden anderen erst ermöglicht. Über Jesus öffnet sich der Himmel und deshalb kann jetzt das Folgende geschehen. Dann kommt aus dem geöffneten Himmel für alle sichtbar der Heilige Geist und für alle vernehmbar die Stimme Gottes.

Gott offenbart sich also und spricht wieder zu seinem Volk. Diese hat er seit dem Exil, seit der Verbannung der letzten hundert Jahre nicht mehr getan. Es gab keine Propheten mehr. Darum ist auch die Sehnsucht der Menschen nach dem Messias, nach der Sendung des Geistes und danach, dass Gott wieder zu ihnen spricht, so groß. Und genau das geschieht hier: Während Jesus betet, öffnet sich der Himmel, d.h. auf das Gebet Jesu hin hat Gott wieder begonnen, sich den Menschen zu offenbaren. In der Taufe Jesu offenbart Gott selber den Sohn und stellt Jesus ganz Israel vor, denn alle sehen den Geist und hören die Stimme. Jetzt werden die prophetischen Worte der Hl. Schrift, die Worte des Erzengels Gabriel an Maria und die Worte der Engel zu den Hirten bei der Geburt in Bethlehem feste Sicherheit, bezeugt vom Vater durch den Hl. Geist, sichtbar und hörbar für alle.

Dass Johannes als Taufender hier überhaupt nicht mehr genannt wird, ist ein Zeichen seiner eigenen Selbsteinschätzung. Dieses Übergangen-Werden ist die Folge der tiefen, demütigen Grundhaltung des Johannes, der sich noch unter den Sklaven stellt und von sich sagt: Ich bin nicht einmal wert, die Schuhriemen Jesu zu lösen.

Bei der Taufe Jesu wird die Geisttaufe, die die Wassertaufe verhieß, Wirklichkeit, allerdings vorerst nur bei Jesus. Gott spricht nur Jesus an, obwohl alle, die da sind, sich taufen lassen. Alle sind jetzt Zuhörer und erleben an Jesus vom Vater her, was auch ihnen verheißen ist. Der Satz „der Geist stieg nieder“ und der bestimmte Artikel „der Geist“ weisen auf eine Person hin. Der Heilige Geist ist also nicht lediglich eine Eigenschaft Gottes, sondern Person: Du, Christus, bist der von Johannes Angekündigte, der mit Heiligem Geist taufen wird.

Im Taufereignis Jesu ist die nachösterliche Reihenfolge bereits vorgegeben und angedeutet, wie sie nach der Erlösung bis heute geschieht: Jesus wird getauft, tritt aus dem Jordan und betet. Dann ereignet sich die Salbung mit dem Hl. Geist. Genau das ist auch die kirchliche Ordnung bis heute: zuerst die Taufe, dann die Firmung. Jetzt ist Jesus als der Sohn Gottes bestätigt.

In den folgenden Versen im Anschluss an dieses Evangelium wird der Stammbaum Jesu aufgezählt und sein Alter genannt. Dies sind notwendige Ergänzungen, denn der Messias kommt aus dem Stamme Davids. Er ist nicht bloß ein Geist, der vom Himmel kommt, sondern wahrhaft Mensch. Er ist ganz Gottes Sohn und ganz Menschensohn. Das ist die Grundvoraussetzung für seine ganze Verkündigung und für die Erlösung. Deshalb wird diese Wirklichkeit hier von Lukas sehr deutlich geschildert. ∎